Düstere Prognose

"Capital": Milliarden-Zukäufe belasten RWE-Bilanz auch in den nächsten Jahren

Wie das Wirtschaftsmagazin "Capital" herausgefunden hat, wird der Jahresüberschuss 2003 beim Energiegiganten RWE bei einem Betriebsergebnis von 5,8 Milliarden Euro gerade noch 600 Millionen Euro ausmachen. Zudem würden die Schulden bis 2004 auf 27,3 Milliarden Euro steigen. "Capital" bezeichnete die Wasser-Sparte als den größten Wertvernichter.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Die Expansion zum Multi-Utility-Konzern durch die Zukäufe im Wert von 32 Milliarden Euro belastet die Bilanzen des RWE-Konzerns auch in den nächsten Jahren. Wie das Wirtschaftsmagazin "Capital" (Ausgabe 2/2003 vom 9. Januar) anhand vertraulicher Planzahlen berichtet, wird der Jahresüberschuss 2003 bei RWE um 40 Prozent auf nahezu 600 Millionen Euro abstürzen, obwohl das Betriebsergebnis von 4,5 Milliarden Euro in 2002 auf 5,8 Milliarden Euro in diesem Jahr ansteigt.

Der deutlich steigende Abschreibungsbedarf auf die Unternehmenswerte sowie die 2003 auf 3,1 Milliarden Euro anwachsende Zinslast (2002: 2,5 Milliarden Euro) bringen laut "Capital" auch kurzfristig keine Erholung. Das Hauptproblem des Konzerns seien die 2003 um gut acht Milliarden Euro auf 25,3 Milliarden Euro zunehmenden Schulden. Aber auch in den Folgejahren werde sich der Schuldenstand nicht verringern. 2004 wird er mit 27,3 Milliarden Euro seinen Höchststand erreichen und 2006 bei immer noch 27,2 Milliarden Euro stehen, schreibt "Capital".

Zwar soll der RWE-Jahresüberschuss den internen Planzahlen zufolge 2004 um 300 Millionen Euro zulegen, doch wird er erst 2005 wieder eine Milliarde Euro überschreiten. 2006 soll dann ein Jahresüberschuss von 1,4 Milliarden Euro erzielt werden. In diesem Zeitraum soll das Betriebsergebnis von 6,5 in 2004 auf 7,3 Milliarden Euro in 2006 zulegen. Der Umsatz soll 2006 nach den Planzahlen 54 Milliarden Euro erreichen.

Vor allem der 20 Milliarden teure Vorstoß ins Wassergeschäft macht RWE laut "Capital" zu schaffen. Allein 2003 vernichte RWE Wasser 320 Millionen Euro und sei damit der größte Wertvernichter im Konzern. Bis 2005 kumuliert sich die Wertvernichtung dieser Sparte auf etwa 700 Millionen Euro. Zwar rechnet RWE-Finanzchef Klaus Sturany nach der internen Analyse, die die Renditen der einzelnen Sparten auf das eingesetzte Kapital mit den Kapitalkosten vergleicht, 2003 mit einem Betriebsergebnis von 1,55 Milliarden Euro, doch neben Abschreibungen und Investitionen fressen die Zinsen das Ergebnis vollständig auf. Erst ab 2006 leistet die Sparte einen positiven Beitrag. Nur Dank der sprudelnden Gewinne der RWE-Strom-Sparte, die 2003 einen Wertzuwachs von 780 Millionen Euro erzielt, kann der Konzern in diesem Jahr insgesamt einen positiven Wertzuwachs von 130 Millionen Euro ausweisen. In den Folgejahren steigt dieser bis 2006 auf 1,29 Milliarden Euro.