Energiemarkt

Capgemini sieht 180 Milliarden US-Dollar Investitionslücke in China

Eine Studie der Unternehmensberatung Capgemini über den chinesischen Energiemarkt ergab, dass China nicht mit dem bisher prognostizierten Zubau an Stromerzeugungskapazitäten auskommen wird. Es würden zu den geplanten 950 Gigawatt mindestens weitere 280 Gigawatt benötigt.

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Berlin (red) - Durch die massiv steigende Nachfrage nach Energie seitens der Unternehmen und Privatpersonen in China müssen die bisherigen Schätzungen für notwendige Investitionen in dortige Stromerzeugungskapazitäten deutlich nach oben korrigiert werden. Zusätzlich zur bisher für das Jahr 2020 von offizieller Seite geplanten Kraftwerkskapazität in Höhe von 950 Gigawatt werden weitere 280 Gigawatt benötigt. Das ist ein zentrales Ergebnis des Reports "China Electricity Market 2006", den Capgemini gemeinsam mit Electricité de France (EdF) und dem China Electricity Council erstellt hat.

Die Untersuchung beruht auf einer Befragung von über 140 Führungskräften aus dem chinesischen Energieumfeld sowie knapp 50 persönlich geführten Interviews mit Industrieexperten und ausländischen Investoren im zweiten Halbjahr 2005. "Die in China jährlich neu benötigte Kraftwerkskapazität von 48 Gigawatt entspricht in etwa 40 Prozent der gesamten deutschen Erzeugungskapazität. Aber sogar mit diesen Zuwachsraten wird in China im Jahr 2020 pro Kopf nur in etwa soviel Energie zur Verfügung stehen wie in den USA in den 1950'er Jahren", erläutert Bernd Wöllner, Leiter Energy & Utilities bei Capgemini Zentraleuropa.

Die von der chinesischen Regierung geplante Umstellung auf eine breitere Basis an kohlenstofffreien Energieträgern erscheint ihm unrealistisch. Der Anteil von Kohle am Gesamtmix der Energieerzeugung soll nach den veröffentlichten Plänen von heute 73 Prozent auf 68 Prozent im Jahr 2010 und dann weiter auf 60 Prozent im Jahr 2020 gesenkt werden. Die vorgelegte Studie geht hingegen davon aus, dass kohlebefeuerte Kraftwerke im Jahr immer noch 71 Prozent des Stroms produzieren und im Jahr 2020 65 Prozent. Damit dürften die Anforderungen des chinesischen Gesetzes zu erneuerbaren Energien aus dem Jahr 2005 nur schwer umsetzbar sein. "Kernenergie, Wasserkraft und Gas können zukünftig interessante Optionen im Energiemix werden, auch wenn es für China schwer wird, die Abhängigkeit von der Kohle zu reduzieren", so Wöllner weiter.