In der Schlussphase

Cancún: Sorge um Scheitern der Klimakonferenz wächst

Teilnehmer loben unisono die gute Stimmung auf der Weltklimakonferenz im mexikanischen Cancún - konkrete Ergebnisse gibt es bisher allerdings nicht. Wie das Endpaket aussehen wird und ob es überhaupt eines geben wird, steht weiter in den Sternen. Die Konferenz endet am Freitag.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Cancún (dapd/red) - Zwar konnten etliche technische Fragen geklärt werden, zudem liegen Vorschläge auf dem Tisch etwa zum Waldschutz, zum Problem der überschüssigen Emissionsrechte oder der Anrechnung der sogenannten CCS-Technologie zur Erreichung der Klimaschutzziele. Dennoch scheint in der Schlussphase der Konferenz, die am Freitag endet, alles möglich zu sein.

Streit um Kyoto-Protokoll

Für Streit sorgt insbesondere die Zukunft des Kyoto-Protokolls. Vor allem die Schwellen- und Entwicklungsländer fordern eine zweite Verpflichtungsperiode nach 2012. Einige Industriestaaten lehnen dies jedoch ab, darunter auch Japan. Deutschland und die EU sind grundsätzlich zu einer Neuauflage des Abkommens bereit, wenn sich andere große Treibhausgas-Produzenten wie etwa China oder die USA zu ähnlichen Anstrengungen verpflichten.

Kompromiss ist noch nicht absehbar

Wie genau ein Kompromiss aussehen könnte zwischen den - scheinbar unvereinbaren - Interessen der einzelnen Staaten oder Staatengruppen ist weiterhin unklar. Zum einen ist da China, das sich zu Hause zwar durchaus ehrgeizige Klimaziele gesetzt hat, zugleich aber trotz versöhnlicher Signale immer noch Bedenken erhebt, diese auch verbindlich festzuschreiben. Die EU wiederum hat eigene Zusagen an das Engagement Chinas und der USA geknüpft. In den USA erscheint Fortschritt derzeit wegen der Mehrheitsverhältnisse gänzlich undenkbar. Außerdem sind da noch die Inselstaaten, die die Sorge um ihre Heimat antreibt, oder die südamerikanischen ALBA-Staaten, die auf eine zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls bestehen.

In Cancún wächst die Sorge, dass ein erneutes Scheitern der Konferenz nicht nur dem weltweiten Klimawandel Vorschub leisten könnte, sondern auch den UN-Prozess als Ganzes in Frage stellen könnte. Das System der Vereinten Nationen gilt als schwerfällig, weil es Einstimmigkeit erfordert.

Röttgen rechnet mit Streitigkeiten

Umweltminister Röttgen äußerte seine Auffassung, dass es zu den Verhandlungen unter dem Dach der UN "keine überzeugende Variante" gebe. Zugleich verwies er darauf, dass er nicht erwartet habe, dass bereits bei seiner Ankunft alle Probleme gelöst seien. Röttgen schloss nicht aus, dass es bei den Beratungen über das weitere Vorgehen auch Streit geben könne. "Aber besser heute den Krach als am Freitag", fügte er hinzu.

Paketlösung ist schwer zu erreichen

Der Klimaexperte des Öko-Instituts in Berlin, Felix Matthes, sieht indes in den derzeitigen Klimaverhandlungen im mexikanischen Cancún ein "Experiment der Klimademokratie". Die Verhandlungen seien sehr viel komplexer geworden, gab Matthes zu bedenken und äußerte zugleich Zweifel an der in Cancún angestrebten "ausbalancierten Paketlösung" von Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel.

"Das Paket ist so groß, dass eine Balance kaum noch möglich ist", sagte Matthes am Donnerstag im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd in Cancún. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass die von der mexikanischen Konferenzpräsidentschaft initiierten Gruppe von 50 Ministern und Delegierten, die einen Entwurf für ein Abschlussdokument aushandeln sollen, einen Kompromiss finden werde. "Wenn die neuen Verfahren nicht funktionieren, werden wir am Freitag auch kein Ergebnis bekommen", so Matthes.