Kyoto-Nachfolger?

Cancún: Klimakonferenz geht in die entscheidende Runde

Die Klimakonferenz im mexikanischen Badeort Cancún ist in die entscheidende Phase eingetreten. Die Zukunft des Kyoto-Protokolls ist jedoch weiterhin ungewiss. Umweltminister Röttgen zeigte sich vor seinem Abflug zuversichtlich, das es in einzelnen Bereichen Fortschritte geben werde, mit einem Durchbruch rechnete er jedoch nicht.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Cancún (dapd/red) - EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard betonte die Notwendigkeit einer ausbalancierten Paketlösung, in der die unverbindlichen Bekenntnisse der Klimakonferenz in Kopenhagen vom vergangenen Jahr umgesetzt werden sollen. Als strittig erweist sich insbesondere die Frage nach der künftigen Rechtsform eines Abkommens, das möglichst auf der nächsten Klimakonferenz im südafrikanischen Durban unter Dach und Fach gebracht werden soll.

"Diametral entgegengesetzte Positionen" über Kyoto-Protokoll

Die Konferenzpräsidentin Patricia Espinosa bezeichnete die Frage des Kyoto-Protokolls als eine der schwierigsten, die es bis zum Ende der Konferenz zu lösen gelte. Bislang sei es nicht möglich gewesen, einen Kompromiss zu finden, gestand sie ein. Die Chefin des UN-Klimasekreatriats, Christiana Figueres, räumte ein, dass es "diametral entgegengesetzte Positionen" gebe. Sie rief die Staaten dazu auf, sich in der Mitte zu treffen. Zugleich zeigte sie sich überzeugt, dass eine Annäherung möglich sei.

Vor allem die Entwicklungsländer fordern eine zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls. So bekräftigte der chinesische Unterhändler Xie Zhenhua am Montag die Forderung nach einer Fortsetzung des Protokolls, da dies das einzige bestehende rechtsverbindliche Abkommen sei. Einige Industriestaaten lehnen dies jedoch ab. Deutschland und die EU sind grundsätzlich zu einer Neuauflage des Kyoto-Protokolls bereit, wenn sich andere große Treibhausgas-Produzenten wie etwa China oder die USA zu ähnlichen Anstrengungen verpflichten.

Umweltorganisationen appellieren an Vorreiterrolle der EU

Umweltminister Röttgen warb vor seinem Abflug für eine schrittweise Umsetzung der Kopenhagener Vereinbarung. Es gehe jetzt darum, "in einzelnen Schritten Bauelemente für ein weltweites Klimaabkommen zu schaffen". Ganz vorne stehe das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu beschränken. Mögliche Ergebnisse könnten etwa in den Bereichen Waldschutz, Technologiekooperation sowie bei der langfristigen Finanzierung von Umweltschutzmaßnahmen in den Entwicklungsländern erzielt werden.

Mehrere Umweltorganisationen forderten Röttgen am Montag auf, sich innerhalb der EU für ehrgeizigere Ziele einzusetzen. Röttgen selbst verwies ebenfalls darauf, dass es wichtig sei, die Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes EU-weit von 20 auf 30 Prozent zu verschärfen. Deutschland gehe hier mit gutem Beispiel voran.

Klimaschutzindex 2011: Deutschland liegt weit vorne

Die EU-Staaten haben sich bislang darauf verständigt, ihren Treibhausgasausstoß bis 2020 um 20 Prozent verringern. Die EU-Klimakommissarin Hedegaard bekräftigte die bisherige Zusage der EU, die Treibhausgasemissionen bis 2020 dann um 30 Prozent zu senken, wenn andere Staaten vergleichbare Angebote machten.

Unterdessen stellten die Organisationen Germanwatch und CAN Europe in Cancún den Klimaschutzindex 2011 vor, ein Ranking der 57 größten CO2-Produzenten und ihrer Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel. Am besten schnitten Brasilien, Schweden und Norwegen ab, die auf dem vierten bis zum sechsten Platz liegen. Deutschland folgt auf Platz sieben. Erneut blieben die ersten drei Plätze frei: Diese sind reserviert für Länder, die genug Klimaschutz umsetzen, um unterhalb der globalen Erwärmung von 1,5 Grad Celsius zu bleiben.

Noch bis Freitag beraten Vertreter aus 194 Staaten über Konzepte im Kampf gegen den Klimawandel. Die Konferenz in Kopenhagen im vergangenen Jahr war ohne konkretes Ergebnis zu Ende gegangen. Die Teilnehmerstaaten nahmen lediglich Kenntnis von einer Erklärung, auf die sich eine Gruppe von Staaten zuvor verständigt hatte.