Freileitung oder Kabel?

BWE kritisiert E.ONs "Verzögerungstaktik"

Die Entscheidung über den Ausbau des überlasteten Stromnetzes in Nord-Friesland scheint noch längst nicht gefallen. Während der Bundesverband WindEnergie in einer Studie belegte, dass der Ausbau mit Erdkabel billiger sei als mit den von E.ON favorisierten Freileitungen, zweifelt der Versorger nun Teile der Studie an.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (red) - Der Energieversorger E.ON hat jetzt mit einer fünfseitigen Stellungnahme auf eine vom Bundesverband WindEnergie (BWE) in Auftrag gegebene Studie der Universität Duisburg-Essen reagiert, die belegt, dass im für den Windstrom wichtigen Hochspannungsnetz die Gesamtkosten für Erdkabel niedriger liegen als für Freileitungen. Die Studie sollte E.ON überzeugen, das überlastete Stromnetz in Nord-Friesland im Erdreich und nicht als Freileitung auszubauen.

Laut BWE beharrt die Geschäftsführung von E.ON Netz jedoch weiterhin darauf, dass Erdkabel beim Netzausbau nicht finanzierbar seien. Die in der Stellungnahme angeführten Gründe lässt Prof. Heinrich Brakelmann von der Uni Duisburg, Verfasser der Studie, jedoch nicht gelten. Seiner Meinung nach wurde die Auslastung der Strecke nicht zu hoch angesetzt, wie E.ON nun behauptet. Doch auch wenn man eine geringere Netzauslastung annimmt, sei das Erdkabelsystem je nach Ausführung um den Faktor 1,8 teurer oder um 0,1 billiger als eine Freileitung.

Auch E.ONs Behauptung, die Kosten für Kabel seien um bis 20 Prozent zu niedrig angesetzt, sei falsch. Brakelmann bestätigte, dass er mit konkreten Marktpreisen für Kabel, Verlegung und Erdarbeiten gerechnet habe, wobei er bei den Freileitungen die Kosten für Rückbauten, Enteignung, externe Kosten durch Verzug etc. sogar nicht mitberechnete. Und: Schließlich könne man entgegen der Meinung E.ONs sehr wohl auf eine kostensteigernde Ersatzleitung verzichten. Die Windenergie-Branche hatte sich bereit erklärt, die Kosten für eventuelle Leitungsausfälle selbst zu tragen.

Keinen Einwand hatte E.ON offensichtlich zum Thema Netzoptimierung. "Das lässt hoffen", kommentierte BWE-Vizepräsident Hermann Albers. Dennoch kritisierte er E.ONs "Verzögerungstaktik": "Das Ergebnis der Studie war E.ON wohl zu positiv. Wenn E.ON weiter auf Freileitungen setzt, geht das auf Kosten der Umwelt und der Windmüller. Da sich auch die Gemeinden gegen den Bau von Überland-Trassen wehren, könnten die Genehmigungsverfahren für Freileitungen noch Jahre dauern."