Reaktion auf Studie

Bundestag: Weitere Untersuchungen von Krebsrisiken in AKW-Nähe

Nach Vorlage der Krebsstudie des BfS verlangt der Bundestag weitere Untersuchungen, die Bewertungen der Studie gehen aber auseinander. Grüne und Linke forderten eine rasche AKW-Abschaltung. Das SPD-geführte Umweltministerium mahnte, die Studie ernst zu nehmen. Union und FDP warnten vor einer Überbewertung.

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Berlin (ddp/sm) - Nach der Untersuchung des Mainzer Kinderkrebsregisters im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) ist das Krebsrisiko für Kinder unter fünf Jahren im Umkreis von fünf Kilometern eines AKW um etwa 80 Prozent höher als in anderen Gebieten. Das BfS bekräftigte am Donnerstag, die Studie stelle keinen Zusammenhang zwischen dem AKW-Betrieb und den erhöhten Leukämiezahlen her. Das Bundesamt mahnte zugleich eine sachliche und ideologiefreie Debatte an.

Der Parlamentarische Umweltstaatssekretär Michael Müller (SPD) betonte, der Fakt sei eindeutig. Nun müssten die Ursachen genauer erforscht werden. Die Strahlenschutzkommission solle in sechs bis neun Monaten die Studie bewerten und Maßnahmen vorschlagen. Auch müssten die Strahlengrenzwerte überprüft werden. Als persönliche Anmerkung fügte der SPD-Politiker hinzu: "Im Zweifelsfall muss die Vorsorge gelten".

Der Grünen-Politiker Hans-Josef Fell verlangte von den Reaktorbetreibern den Nachweis, dass die Erkrankungen nicht mit dem laufenden Betrieb zusammenhingen. Gelinge dies nicht, müssten die Atommeiler stillgelegt werden. Fell forderte weitere Untersuchungen, die auch auf die Gefahren für Erwachsene ausgedehnt werden müssten.

Für die Links-Fraktion verlangte der Abgeordnete Hans-Kurt Hill, die Atomanlagen "schnellstmöglich" stillzulegen. An dem "erschreckenden Ergebnis" der Studie sei nicht zu rütteln. Die Linke erwarte ferner von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) im Januar Konsequenzen aus der Studie. Zudem sollten besorgte Anwohner von Atomkraftwerken mit Strahlenmessgeräten ausgestattet werden.

Unions-Fraktionsvize Katherina Reiche (CDU) warnte indes, man dürfe nichts in die Studie hineininterpretieren, wo selbst die Wissenschaftler zurückhaltend seien. Die Leiterin der Studie halte es selbst für möglich, dass die erhöhten Werte Zufall seien. Notwendig seien weitere Forschungen. Den Grünen warf Reiche "altbewährte Stimmungsmache gegen die Kernkraft" vor.

Auch die FDP-Abgeordnete Angelika Brunkhorst kritisierte, die Grünen wollten mit dem Thema die Atomdebatte "am Kochen" halten. Brunkhorst wandte sich gegen voreilige Schlüsse aus der Studie. Bei 85 Prozent aller Leukämiefälle seien die Ursachen nicht feststellbar.