Muskelspiele

Bundesregierung schließt Einmischung in Endesa-Streit nicht aus

Die Bundesregierung hat Spanien vor unfairen Maßnahmen gegen den deutschen Energieversorger E.ON gewarnt. Zwar halte man den Übernahmepoker derzeit noch für eine rein unternehmerische Angelegenheit, schließe jedoch im Falle fehlender Fairness ein Engagement nicht aus.

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Berlin/Düsseldorf (ddp/sm) - Die Bundesregierung hält ein Eingreifen bei der geplanten Übernahme des spanischen Energieversorgers Endesa durch den deutschen E.ON-Konzern gegenwärtig nicht für notwendig. Sie schließt es aber für den Fall eines unfairen staatlichen Vorgehens von Spanien nicht aus. Man beeinflusse nicht das Marktgeschehen, aber man engagiere sich, wenn der Eindruck entstehe, dass durch staatliche Maßnahmen die Fairness des Wettbewerbs beeinträchtigt werde, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Joachim Wuermeling am Freitag in Berlin.

Das Wirtschaftsministerium beobachte die Vorgänge um die Übernahme "mit großem Interesse" und werde "alles unternehmen, um einen fairen Wettbewerb zu garantieren". Ansonsten seien das allerdings "rein unternehmerische Vorgänge", die nicht Gegenstand von Entscheidungen der Politik seien, sagte Wuermeling. Er sei sich aber "ganz sicher, dass der Markt das schon zu einem guten Ergebnis führen" werde.

Der Düsseldorfer E.ON-Konzern bietet derzeit 40 Euro pro Endesa-Aktie und damit insgesamt 42,3 Milliarden Euro. Die Übernahme wird aber durch die beiden Endesa-Großaktionäre, den italienischen Energiekonzern Enel und den spanischen Baukonzern Acciona erschwert, die ein gemeinsames Gegenangebot von mindestens 41 Euro je Aktie angekündigt haben. Die spanische Börsenaufsicht will das Gebot allerdings zunächst nicht zulassen. Der Übernahmekampf verlagert sich jetzt zunehmend auf die Gerichte.

Der spanische Acciona-Konzern, der derzeit zusammen mit Enel rund 46 Prozent an Endesa hält, will seine Beteiligung nun sogar von derzeit 21 Prozent auf knapp 25 Prozent erhöhen, wie eine Sprecherin am Freitag sagte. Der Endesa-Verwaltungsrat empfiehlt seinen Aktionären unterdessen die Annahme des E.ON-Gebots. Die Frist läuft bis zum 3. April, in den USA bis zum 6. April.