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Bundesnetzagentur will mehr Wettbewerb schaffen

Mit "Optimismus und guter Vorbereitung" hat die Bundesnetzagentur, die künftig neben der Regulierung des Telekommunikationsmarktes auch für die Überwachung der Netznutzungsentgelte im deutschen Strom- und Gasmarkt zuständig sein wird, ihre Arbeit aufgenommen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (ddp/sm) - Die neue Bundesnetzagentur will nach dem Telekommunikationsmarkt auch den Strom- und Gasmarkt verbraucherfreundlicher machen. Sie werde ihre gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um mehr Wettbewerb in allen Netzen mit Monopolstrukturen oder Engpässen zu erreichen, sagte der Präsident der aus der Regulierungsbehörde hervorgegangenen Agentur, Matthias Kurth, am Mittwoch in Bonn.

Die Früchte des Wettbewerbs könnten die Verbraucher insbesondere im Telekommunikationsmarkt mit vielen neuen und günstigen Angeboten sehen, sagte Kurth. "Wenn wir unsere langjährige Problemlösungskompetenz beim Netzzugang und bei der Ermittlung angemessener Entgelte nun als Erfahrungsschatz in die neuen Sektoren Strom- und Gasmarkt sowie Eisenbahninfrastruktur einbringen, wird sich die Angebotspalette verbessern", erklärte der Behördenchef.

Wie wichtig die Funktion und Rolle eines unabhängigen und neutralen Regulierers sei, zeigten die Auseinandersetzungen zwischen der Energiewirtschaft und der Industrie sowie die Vertrauenskrise bei den privaten Verbrauchern, sagte Kurth. Bei den deutschen Netzgebühren gebe es nicht nachvollziehbare Preisunterschiede. Seine Behörde könne aber nur ein Drittel des Strompreises beeinflussen. Auf Erzeuger- oder Herstellerpreise oder Preissteigerungen auf dem Weltmarkt habe sie keinen Einfluss. Zu Preissenkungszielen wolle sich die Behörde im kommenden Frühjahr äußern.

Nach Einschätzung von Kurth wird die Regulierung des Gasmarktes deutlich schwerer als die Aufsicht über den Strommarkt. Die neue Behörde müsse im Gasbereich erst einmal belastbare Grundlagen schaffen. Man könne nicht auf Vorarbeiten von Verbändevereinbarungen zurückgreifen. Zudem sei der Gasmarkt mit seinen unterschiedlichen Gasqualitäten und den bisherigen Kostenmodellen deutlich komplexer als der Stromsektor.

Insgesamt gibt es derzeit in Deutschland etwa 1600 Energienetzbetreiber, rund 900 im Strom- und etwa 700 im Gasbereich. Die Bundesnetzagentur wird künftig für 120 Stromnetzbetreiber und 70 Versorger auf dem Gasmarkt verantwortlich sein. Bei kleineren Unternehmen findet die Regulierung künftig auf Landesebene statt.

Von Michael Wojtek