Sorge um Energieversorgung

Bundesnetzagentur warnt vor Stromlücke - Gabriel widerspricht

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, warnt vor einem Abschalten der Atomkraftwerke, ohne neue Kohlekraftwerke zu bauen. Derweil wies Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) Warnungen vor einer Stromlücke als "Schreckensszenario" zurück.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp.djn/sm) - "Wind- und Gaskraftwerke allein reichen nicht: Wir brauchen auch neue, moderne Kohlekraftwerke, um den Strombedarf in Deutschland mittelfristig zu decken", sagte Kurth der "Bild"-Zeitung. Nur so könne verhindert werden, dass die Strompreise durch Verknappung des Angebots noch weiter steigen.

Laut Umweltminister Gabriel habe die von Teilen der Wirtschaft und der Union aufgestellte Behauptung einer Stromlücke auch das Ziel, die Atomenergie wieder hoffähig zu machen, weil dies vermeintlich im Sinne des Klimaschutzes sei, sagte Gabriel der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Aber die Wahl zwischen immer mehr radioaktivem Abfall und Kohlendioxid-Ausstoß ist eine Wahl zwischen Pest und Cholera", sagte der Minister. Die Bundesregierung habe mit ihrem Klima- und Energieprogramm eine tragfähige energiepolitische Strategie vorgelegt.

Den Grünen warf Gabriel vor, sich in Hamburg mit der CDU auf ein gefährliches Bündnis einzulassen. Sie führten einen populistischen Wahlkampf gegen Kohlekraftwerke, verschwiegen dabei aber, dass wegen der europäischen absoluten Obergrenze für CO2-Emissionen der Kohlendioxid-Ausstoß durch neue Kraftwerke nicht steigen könne. "Das kurzfristige Interesse, Investitionen in neue effizientere Kohlekraftwerke zu verhindern, führt dazu, dass alte Dreckschleudern weiter am Netz bleiben und der Druck für eine Verlängerung der Restlaufzeiten von Atommeilern stärker wird«, kritisierte Gabriel. Die Grünen betrieben so ungewollt das Geschäft der Atomlobby.

Energieexperte erwartet höhere Strompreise

Der Energieexperte Georg Erdmann von der Technischen Universitität Berlin erwartet in Deutschland eine weniger zuverlässige Stromversorgung und höhere Preise. Grund sei, sagte Erdmann am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur, dass seit 10 bis 15 Jahren nicht mehr ausreichend in Kraftwerke und Netze investiert wurde. Deutschland brauche neue Kraftwerke, für die aber die Akzeptanz in der Bevölkerung fehle. Der Experte warnte davor, es könne ein Situation entstehen, "in der sich einer vielleicht den Strom nicht mehr wird leisten können." Der Ökonomieprofessor leitet die Abteilung Energiesysteme an der TU Berlin.