Noch offene Fragen

Bundesnetzagentur: Stromnetz hat keine Sicherheitsmängel

Die Bundesnetzagentur dringt auf eine weitere zügige Klärung der Ursachen des Stromausfalls von Anfang November in weiten Teilen Westeuropas. Der von E.ON vorgelegte Bericht gebe eine erste Einschätzung der Vorgänge und Abläufe, die zum Netzausfall geführt haben. Es gebe allerdings noch offene Fragen, so die Behörde.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (ddp/sm) - Auch wenn der vom verantwortlichen Energiekonzern E.ON vorgelegte Bericht noch "einige aufklärungsbedürftige Lücken" enthalte, gebe es nach den bisher vorliegenden Informationen keine Hinweise auf Sicherheitsmängel in der deutschen Stromversorgung, versicherte der Präsident der Aufsichtsbehörde, Mathias Kurth, am Freitag in Bonn.

Die für die Aufsicht über die Strom-, Gas- und Telekommunikationsnetze zuständige Netzagentur stuft das deutsche Stromnetz trotz des Vorfalls und "unstrittig" notwendiger weiterer Investitionen in den Netzausbau als sicher ein. Der jüngste Stromausfall sowie die vor einem Jahr nach heftigen Schneefällen umgestürzten Strommasten im Münsterland seien "Einzelfälle, von denen nicht auf den Allgemeinzustand der Stromversorgung geschlossen werden kann", betonte Kurth. "Aber auch ein bis an die Grenzen belastetes Netz darf nicht ausfallen", stellte er klar.

Im Zuge ihrer weiteren Untersuchungen schließt die Netzagentur Konsequenzen für die geltenden Regelungen zur Netzsteuerung und -überwachung nicht aus. Der europaweite Stromausfall habe gezeigt, dass offenbar die Sicherheits- und Steuerungsregelungen zwischen den deutschen und den europäischen Übertragungsnetzbetreibern nicht hinreichend aufeinander abgestimmt seien. "Unsere Fragen zielen insbesondere auf diesen Punkt und wir werden mit dem europäischen Netzbetreiberverband die nötigen Veränderungen rasch beraten", erläuterte Kurth.

Bei dem Stromausfall am 4. November waren rund zehn Millionen Menschen in Kontinentaleuropa zum Teil mehr als eine Stunde ohne Strom. Auslöser war die Abschaltung einer E.ON-Hochspannungsleitung über die Ems, um einem von der Papenburger Meyer-Werft gebauten Luxusliner die Durchfahrt zu ermöglichen. E.ON gab als Ursache menschliches Versagen an, weil Mitarbeiter einer Netzleitstelle fälschlicherweise eine Überlastung des Netzes nach dem Abschalten der Leitung ausgeschlossen hatten.

Höhere Stromlasten in den Ausweichleitungen als erwartet lösten dann aber in einem Dominoeffekt weitere Abschaltungen aus. Technische Fehler schloss E.ON dagegen aus. Der Netzagentur zufolge wurde die Stromleitung über die Ems in den vergangenen Jahren bereits 18 Mal abgeschaltet, ohne dass es zu Problemen gekommen sei.

Als "unhaltbar" bezeichnete Kurth Vorwürfe, nach denen die von der Behörde vorgenommenen Kürzungen der Netzentgelte zu weniger Investitionen in die Stromnetze führten. Die nach der so genannten Stromnetzentgeltverordnung vorgesehene Eigenkapitalverzinsung der Stromversorger von knapp neun Prozent sei "mehr als großzügig". Darüber hinaus könnten die Versorger über ihre Abschreibungen genug Rücklagen für Investitionen in die Strom- und Gasnetze bilden.

Von Frank Bretschneider