Ab 2008

Bundesnetzagentur legt erste Vorschläge zur Anreizregulierung vor

Die Bundesnetzagentur hat heute ihre ersten Entwürfe für ein System zur Anreizregulierung vorgelegt. Nach einer schnellen Einigung könnte es schon Anfang 2008 in Kraft treten und den Wettbewerb auf den deutschen Energiemärkten stärker vorantreiben. Jetzt können sich alle interessierten Beteiligten dazu äußern.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (red) - Die Bundesnetzagentur hat heute ihren Entwurf zur Anreizregulierung in den Energiemärkten vorgelegt. Sie soll 2008 starten und den Wettbewerb im Strom- und Gasmarkt weiter ankurbeln.

Das System der Anreizregulierung sieht vor, für einen bestimmten Zeitraum die Kosten von den Erlösen zu trennen. Gleichzeitig werden Obergrenzen für die Erlöse vorgegeben. Als "Anreiz" können sodann alle Gewinne, die durch Senkung der Kosten unter dem vorgegebenen Erlöspfad entstehen, von den Unternehmen einbehalten werden. "Ein großer Vorteil der Anreizregulierung liegt in der Planungssicherheit für die Unternehmen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Regulierung nicht in die Details der Unternehmensführung eingreift, sondern die Kreativität und das Know-how des Managements nutzt, um Kosten- und Effizienzfortschritte zu mobilisieren", kommentierte Matthias Kurth heute in Berlin. Wenn eine schnelle Umsetzung gelänge, könne das neue System zum 1. Januar 2008 starten, sagte er. Damit könnte man sich eine zweite Entgeltgenehmigungsrunde mit aufwändigen Einzelprüfungen ersparen.

Das von der Bundesnetzagentur vorgeschlagenen Anreizregulierungsmodell sieht demnach einen Start zum 1. Januar 2008 vor, die entsprechende Rechtsverordnung sollte möglichst noch in diesem Jahr in Kraft trefen. "Großen Wert legen wir auf die Berücksichtigung von Qualität und Sicherheit in den Netzen. Dabei sind Effizienz und Kostenkontrolle kein Widerspruch zur Qualität der Netze. Beide Ziele lassen sich gleichzeitig optimieren. Wir werden daher von Anfang an in der Anreizregulierung diejenigen belohnen, die dem Kunden besondere Qualität bereitstellen", führte Kurth aus. Folgende Elemente sind weiterhin vorgesehen:

  • Steigern die Unternehmen ihre Effizienz stärker als vorgegeben, können sie diese Effizienzgewinne behalten, gleichzeitig sinken die Netzentgelte. Von Beginn an soll für alle Unternehmen eine generelle Effizienzsteigerungsrate gelten, die um die zwei Prozent liegen könnte.
  • Vorgesehen sind zwei Perioden von je drei bis fünf Jahren mit Revenue-Cap. Durch verlässliche Erlösobergrenzen und zeitlich gestreckte Effizienzvorgaben sollen dabei die derzeitig großen Effizienzunterschiede abgebaut werden.
  • Ab der dritten Regulierungsperiode ist eine sogenannte Yardstick-Regulierung vorgesehen. Die Erlösobergrenzen werden dabei alle zwei Jahre ausschließlich nach Vergleichsmaßstäben festgelegt.
  • Es gibt einen Effizienzvergleich durch komplementäres Benchmarking. Hierbei werden wissenschaftlich fundierte und international erprobte Benchmarking-Verfahren optimal kombiniert.
  • Dabei setzt die Bundesnetzagentur auf Methodenregulierung statt Mikromanagement und will Einzelfallprüfungen auf ein Minimum beschränken um möglichst viel Spielraum für unternehmerische Entscheidungsfreiheit zu lassen.
  • Zudem sollen in der ersten Regulierungsperiode Qualitätsunterschiede bei Versorgungssicherheit und Kundenservice durch ein Bonus/Malus-System honoriert werden. Zeitgleich werden weitere Untersuchungen angestellt, um ab der zweiten Periode Qualität und Kosteneffizienz in bester internationaler Praxis zu integrieren, bewerten und gesamtwirtschaftlich zu optimieren.

Ab sofort können sich alle Beteiligten zum vorgeschlagenen Konzept äußern. In zwei Monaten soll der Bundesregierung dann ein abgestimmtes Modell vorgelegt werden.

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