Sektoruntersuchung

Bundeskartellamt nimmt Fernwärme-Preise unter die Lupe

Das Bundeskartellamt hat die Preispolitik der Fernwärme-Branche in Deutschland ins Visier genommen. 30 Versorger müssen ihre Preisgestaltung offenlegen. Sollte dabei der Verdacht auf Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht aufkommen, würden Kartellverfahren gegen die betroffenen Fernwärme-Anbieter eingeleitet.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Bonn (afp/red) - Die Kartellwächter hätten bei 30 Energiekonzernen und Stadtwerken in größeren Städten Informationen über deren Preisgestaltung eingefordert und damit eine sogenannte Sektoruntersuchung eingeleitet, teilte die Behörde am Montag in Bonn mit. Die Untersuchung beziehe sich auf die Jahre 2007 und 2008. Die Kartellwächter wollen den Angaben zufolge vergleichen, "welche Unternehmen besonders teuer und welche besonders günstig sind". Zu den untersuchten Versorgern gehören der Behörde zufolge auch die vier großen Energieunternehmen E.ON, Vattenfall, RWE und EnBW.

Fernwärme Preise der ganzen Branche

Wenn bei der Untersuchung der Anfangsverdacht auf Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht entstehe, würden Kartellverfahren eingeleitet, teilte das Kartellamt mit. Die Untersuchung richte sich bislang jedoch nicht gegen ein einzelnes Unternehmen, sondern analysiere die Preisgestaltung der ganzen Branche.

Mit einem Anteil von rund 13 Prozent ist die über lange Rohrleitungen übertragene Fernwärme nach Angaben des Kartellamts die wichtigste Form von Wärmeenergie hierzulande nach Erdgas (48 Prozent) und Heizöl (30 Prozent).

Kunden haben keine Wahl bei Fernwärme Anbietern

Kunden haben dabei jedoch in aller Regel nicht die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern, sondern müssen sich mit den Preisen des Energieunternehmens vor Ort abfinden. Auch sei die Preisgestaltung bei Fernwärme "wesentlich weniger transparent als etwa bei Strom oder Gas", teilte das Kartellamt mit. Insgesamt beziehen in Deutschland rund fünf Millionen Haushalte die Energie aus Rohrleitungen.