"Noch nicht durch"

Bundeskartellamt fordert weitere Zugeständnisse der Gasversorger

Das Bundeskartellamt lässt in punkto mehr Wettbewerb auf dem Gasmarkt nicht locker: Kartellamtschef Ulf Böge forderte in der WAZ weitere Zugeständnisse der deutschen Gasversorger. "Wir sind noch nicht durch", sagte er und deutete weitere Initiativen seiner Behörde an.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp/sm) - Das Bundeskartellamt fordert weitergehende Schritte bei der Liberalisierung des Gasmarktes. "Wir sind noch nicht durch", sagte der Präsident der Wettbewerbsbehörde, Ulf Böge, der in Essen erscheinenden "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Montagausgabe). Auf Druck des Kartellamtes hatten sich sieben großen Gasversorger verpflichtet, ihren Kunden schon zum 1. April den Wechsel des Anbieters zu ermöglichen.

"Dieser Schritt reicht nicht aus, um Preise zu etablieren, die einem funktionierenden Wettbewerb entsprechen", betonte Böge. "Noch funktioniert der Wettbewerb nicht. Das können die Verbraucher an ihren Gasrechnungen ablesen."

Böge sagte, das Bundeskartellamt wolle noch in diesem Jahr die langfristigen Verträge zwischen den großen Gasimporteuren und den Stadtwerken knacken. In einem Musterverfahren gehen die Wettbewerbshüter vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf gegen den Marktführer E.ON-Ruhrgas vor. "Wir erhoffen uns von einem Verbot der langfristigen Verträge einen Meilenstein auf dem Weg zu mehr Wettbewerb", sagte Böge.

Zudem teilte er mit, die Versorger RWE und E.ON, die Beschwerdeführer und die mit der Thematik befassten Behörden im Streit um die hohen Strompreise für Ende März zu einer Anhörung geladen zu haben. "Der Wettbewerb auf dem Strommarkt ist nicht zufriedenstellend", erklärte Böge. "RWE und E.ON bilden ein marktbeherrschendes Duopol. Wir haben keine Wettbewerbspreise." Das Kartellamt prüfe, ob die Versorger den Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten ausnutzen, um ihre Strompreise missbräuchlich in die Höhe zu treiben.