Fehlverhalten

Bundesaufsicht rügt Vattenfall: Offenbar Fehler des Personals in Krümmel

Nach den AKW-Vorfällen reißt die Kritik an Betreiber Vattenfall Europe nicht ab. Die Bundesaufsicht rügte Fehlerverhalten beim Betreiben des Reaktors. Die Grünen forderten bis zur Klärung der Vorfälle eine einstweilige Stilllegung des wiederangefahrenen AKW Brunsbüttel. Die SPD mahnte staatsanwaltliche Ermittlungen an.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Kiel (ddp-nrd/sm) - Die Bundesaufsicht sieht deutliche Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten des Personals im Atomkraftwerk Krümmel. Offenbar habe die zum Zeitpunkt der Schnellabschaltung im Dienst befindliche Schicht nicht laut Vorgaben im Betriebshandbuch und der Schulungen agiert. Das Ausmaß und die Ursachen dieses Fehlverhaltens bedürften weiterer Aufklärung. Ein Wiederanfahren des Reaktors sei erst nach vollständiger Klärung und Beseitigung möglicher Defizite sowohl im Bereich der Anlagentechnik als auch hinsichtlich der Zuverlässigkeit des Betreibers möglich.

Nach Ansicht der Bundesaufsicht war die Reaktorschnellabschaltung am 28. Juni nach dem Transformatorbrand in Krümmel unnötig. Der Atommeiler hätte trotz des Feuers heruntergefahren werden können. Aufklärung verlangt das Bundesumweltministerium insbesondere über das mögliche Fehlverhalten der Beschäftigten im AKW. Die bisherigen Auskünfte von Betreiber Vattenfall Europe seien "völlig unzureichend". Entgegen der ausdrücklichen Bitte der Bundesaufsicht waren weder der Schichtleiter noch der Reaktorfahrer bei dem bundesaufsichtlichen Gespräch am Montag in Kiel dabei. Die Bundesaufsicht will jedoch ein direktes Gespräch mit beiden Mitarbeitern führen.

Der SPD-Energieexperte Hermann Scheer bezeichnete staatsanwaltliche Ermittlungen als "überfällig". Im Zusammenhang mit der jüngsten Pannenserie sprach er von gravierenden Sicherheitsmängeln. Auch einen Entzug der Betriebserlaubnis halte er für denkbar, sagte Scheer.

Schleswig-Holsteins Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel forderte die Landessozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) auf, unverzüglich konkrete Auflagen gegen den Betreiber zu erlassen und tägliche Fristen für die Umsetzung der Maßnahmen zu setzen.

Grünen-Bundestags-Fraktionschefin Renate Künast hält eine Katastrophe wie in Tschernobyl auch in Deutschland nicht mehr für ausgeschlossen. "Irgendwann haben wir auch in Deutschland kein Glück mehr. Dann wird es auch hier eine radioaktiv verseuchte Region geben und viele Menschen könnten sterben." Ihre Stellvertreterin Bärbel Höhn warf Vattenfall Europe vor, im Bezug auf die Zwischenfälle zu "verharmlosen, vertuschen und verschweigen".

Der Umweltexperte der Unions-Fraktion, Josef Göppel (CSU) fordert personelle Konsequenzen bei Vattenfall. "Sollte sich herausstellen, dass die Mitarbeiter falsch gehandelt haben, muss die Führungsebene dafür Verantwortung übernehmen", sagte Göppel der "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe).

Aus der SPD kamen gemäßigtere Stimmen: "Ich halte nichts von Bauernopfern", sagte Fraktionsvize Ulrich Kelber. Erst wenn bewiesen sei, dass gravierende Fehler gemacht wurden, könne man "ein Exempel statuieren und die Betreiberlizenz entziehen". Vorrangig sei, auf Dauer Sicherheit vor Gewinn zu stellen.