Klimawandel

BUND will Kohleausstieg per Gesetz

Die Braunkohlekraftwerke produzieren rund 25 Prozent des Stroms in Deutschland. Dabei wird CO2 freigesetzt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland fordert von der Regierung eine Laufzeitbegrenzung für die älteren Kraftwerke. Sonst seien die Klimaziele nicht mehr zu erreichen.

Kohleförderung© coolibri / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat eine gesetzliche Laufzeitbegrenzung für ältere Braunkohlekraftwerke gefordert. Nur so lasse sich die von der Regierung angestrebte Senkung des Ausstoßes von klimaschädlichem Kohlendioxid um 40 Prozent bis 2020 erreichen, teilte die Umweltschutzorganisation am Freitag in Berlin mit. "Der einzige Weg, von den hohen CO2-Emissionen aus Kohlekraftwerken wegzukommen, ist ein zügiger Ausstieg aus der Braunkohleverstromung", erklärte der Vorsitzende Hubert Weiger bei der Vorstellung eines entsprechenden Gesetzesvorschlags.

Ältesten Braunkohlekraftwerke sollen vom Netz

Dem BUND zufolge sollte die Laufzeit der 24 "ältesten und ineffizientesten" deutschen Braunkohlekraftwerke, die vor 1985 in Betrieb gingen, auf je 35 Jahre begrenzt werden. Damit müssten sie bis 2020 abgeschaltet werden. Würde dieser Vorschlag umgesetzt, würde etwa die Hälfte der auf Braunkohle basierenden Stromerzeugungskapazität in Deutschland vom Netz gehen, teilte die Organisation mit. Die meisten der betroffenen Braunkraftwerke lägen dabei in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg.

Rund 45 Prozent Kohlestrom

25,5 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms stammt aus Braunkohlekraftwerken (Stand 2013). Weitere 19,4 Prozent entfallen auf Steinkohlekraftwerke. Insgesamt ist Kohle damit mit einem Anteil von rund 45 Prozent der wichtigste Pfeiler der Stromversorgung. Umweltschützer kritisieren dies scharf, weil bei der Verbrennung von Kohle viel CO2 entweicht und den Klimawandel verstärkt.

Tagebaue stoßen auf Kritik

Darüber hinaus stößt die Umweltzerstörung durch große Tagebaue auf Widerstand. Braunkohle ist der einzige Energieträger, der in Deutschland in bedeutendem Maße gefördert wird. In Nordrhein-Westfalen und Brandenburg gibt es riesige oberflächennahe Lagerstätten, die mit Baggern erschlossen werden.

In Brandenburg ist eine heftig umstrittene Ausweitung der Tagebaue geplant. Die Braunkohleverstromung nahm in den vergangenen Jahren zu. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass die von den Erzeugern benötigten CO2-Emissionszertifikate aufgrund eines rapiden Preisverfalls sehr viel billiger sind als eigentlich gewünscht. Kohlekraftwerke können deshalb günstiger produzieren, während umweltfreundlichere, aber teurere Erdgaskraftwerke an Konkurrenzfähigkeit einbüßen.

Umwelt- und Klimaschützer warnen seit längerem vor den Folgen dieser Situation und fordern ein Eingreifen der Politik. "Bleibt die Kohleverstromung in alten und ineffizienten Braunkohlekraftwerken so lukrativ wie heute, kann die Bundesregierung ihre Klimaschutzziele abschreiben", erklärte BUND-Chef Weiger am Freitag.

Unterstützung von Greenpeace

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace macht sich für einen schrittweisen Ausstieg aus der Verstromung von Kohle stark. Zuletzt warnte die Organisation den Bund davor, dass die nationalen CO2-Einsparziele für 2020 angesichts der aktuellen deutschen Emissionstrends immer schwieriger zu erreichen seien. Der Vorsitzende des Sachverständigenrats für Umweltfragen, Martin Faulstich, sprach sich jüngst ebenfalls für eine Abschaltung aller Kohlekraftwerke bis 2040 aus. Anders seien die Ziele beim Klimaschutz nicht zu erreichen, sagte der Chef des Gremiums, das die Bundesregierung in Umweltfragen berät.

Quelle: AFP