"Nicht zu verantworten"

BUND warnt vor Gefahren alternder Atommeiler

Anlässlich des 16. Jahrestages von Tschernobyl und den jüngsten Störfällen in Brunsbüttel und Davis Besse (USA) hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland die Stilllegung alter Atomkraftwerke gefordert. BUND-Experte Professor Klaus Traube: "Der HEW muss die Erlaubnis zum Betrieb von Atomanlagen entzogen werden".

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Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat anlässlich des morgigen 16. Jahrestages der Atomkatastrophe von Tschernobyl vor den besonderen Gefahren gewarnt, die von alternden Atommeilern ausgehen.

Die jüngsten Störfälle im AKW Brunsbüttel im Dezember vergangenen Jahres sowie im amerikanischen AKW Davis Besse Anfang März hätten "auf alarmierende Weise" gezeigt, dass das Sicherheitsrisiko mit dem Alter der Atomkraftwerke deutlich ansteige. Beide AKW seien vor etwa 25 Jahren in Betrieb gegangen und damit älter als die meisten anderen Reaktoren. Vor diesem Hintergrund sei die im Atomkonsens vereinbarte Laufzeit von durchschnittlich 32 Jahren für die deutschen Atommeiler "nicht zu verantworten".

Professor Klaus Traube, Atomexperte des BUND: "Sowohl in Brunsbüttel als auch in Davis Besse haben vor kurzem nur glückliche Zufälle verhindert, dass es zu einer Zerstörung des Reaktors wie 1979 im amerikanischen Harrisburg kam. Beim Versagen des Notkühlsystems hätte sogar eine Katastrophe wie die in Tschernobyl im Jahr 1986 eintreten können. In beiden aktuellen Fällen wurden die Störfallursachen nicht vorhergesehen und bis jetzt nicht richtig verstanden. Alle Atomkraftwerke werden mit zunehmendem Betriebsalter störanfälliger. Diese Bedrohung bleibt, solange die AKW nicht endgültig stillgelegt sind".

Im AKW Davis Besse in Ohio wurde Anfang März in dem etwa 15 Zentimeter dicken Stahldeckel des Reaktors ein durchgehendes Korrosionsloch von mehr als zehn Zentimeter Durchmesser im Querschnitt entdeckt. Nur die dünne Edelstahlauskleidung des Reaktordeckels hielt noch dicht, war aber infolge des hohen Drucks bereits stark ausgebeult. Wäre sie gerissen - und das, so Traube, sei "nur eine Frage der Zeit" gewesen - wäre Radioaktivität in das Reaktorgebäude gelangt und hätte die Anlage "zu einer strahlenden Ruine" gemacht. Lediglich ein vorschriftsmäßiges Funktionieren des Notkühlsystems hätte dann noch verhindert, dass auch das Gebäude zerstört und eine enorme Menge Radioaktivität in die Umgebung freigesetzt worden wäre.

Ähnlich brisant sei der Unfall am 14. Dezember letzten Jahres im AKW Brunsbüttel gewesen: Dort explodierte eine Rohrleitung, die zum Reaktordruckbehälter - dem sensibelsten Teil des AKW - führte. Hätte die Explosion nur wenig näher am Reaktordruckbehälter stattgefunden, so Traube, dann wäre auch hier Radioaktivität ausgetreten, die wie in Harrisburg das Reaktorgebäude ruiniert oder "schlimmstenfalls wie in Tschernobyl weite Landstriche verseucht hätte".

Traube: "Besonders beunruhigend ist, dass der Betreiber, die Hamburger Elektricitäts-Werke (HEW), mehr als zwei Monate lang vom Energieministerium Schleswig-Holsteins bekniet werden musste, bis eine detaillierte Untersuchung des Störfalls erlaubt wurde. Das stellt die Zuverlässigkeit des Betreibers eindeutig in Frage. Der HEW muss die Erlaubnis zum Betrieb von Atomanlagen entzogen werden".

Weiterführende Links
  • strom-magazin.de-Archiv: Laut dem "Spiegel" war die Brunsbüttel-Explosion der "gravierendste Unfall in einem deutschen Atomkraftwerk":