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22.04.2009, 11:49 Uhr

Strom-News

Teurer Irrweg

BUND sieht kein Comeback der Atomenergie

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sieht kein Comeback der Atomenergie. In Europa sei die Zahl der Kernkraftwerke rückläufig, zudem betrage der Atomstromanteil im globalen Strommix nur rund 14 Prozent. Zudem würde durch Atomenergie der Ausbau erneuerbarer Energien gebremst.

Berlin (red) - Kurz vor dem 23. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe ruft der BUND die Energie- und Wirtschaftspolitiker aller Parteien auf, sich von den "fadenscheinigen Argumenten der Atommanager nicht beeindrucken zu lassen". Dahinter stünden die Gewinninteressen der großen Energiekonzerne, für die jedes zusätzliche AKW-Betriebsjahr einen Reingewinn von rund 300 Millionen Euro bedeute.

Trotz einiger weiterer AKW-Neubauten wie in China oder Indien gingen weltweit deutlich mehr Meiler altersbedingt vom Netz als neue gebaut würden. Nur 14 Prozent des globalen Strombedarfs stammen lauf BUND aus Atomkraftwerken. In der EU sei die Zahl der Kernkraftwerke 1988 am am höchsten gewesen. Waren damals 177 Reaktoren in Betrieb, seien es derzeit noch 145.

Bau von Atommeilern ist "teurer Irrweg

In Europa baue außer Finnland derzeit nur Frankreich an einem neuen Reaktor und in Bulgarien geht es lediglich um die Fertigstellung eines Uraltprojektes aus "sozialistischen Zeiten", so der BUND. "Überall, wo in Europa neue Atomkraftwerke geplant werden, zeigt sich früher oder später, dass dies ein teurer Irrweg ist", so BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Das sichtbarste Exempel für ein finanzielles und sicherheitstechnisches Desaster liefere der im Bau befindliche finnische Atommeiler bei Olkiliotu. Der Zeitplan seines Baus liege Jahre hinter den Ursprungsplänen zurück, dem Konsortium Areva-Siemens drohten Milliardenverluste. Bei dem bulgarischen Bauprojekt Belene wiederum gebe es wegen der Erdbebengefahr derartig hohe Sicherheitsrisiken, dass inzwischen sogar der frühere Leiter der bulgarischen Atomaufsicht davor warne.

Atomkraft bremst Ausbau erneuerbarer Energien

Ein weiteres gravierendes Problem der Atomkraft zeige sich in Großbritannien. Die Atomkonzerne EdF und E.ON hätten der britischen Regierung mitgeteilt, sie würden in dem Land kein neues Atomkraftwerk bauen, wenn die Ausbauziele für erneuerbare Energien nicht nach unten korrigiert würden. "Das bestätigt alle, die schon immer davor gewarnt haben: Die großen Energiekonzerne behindern und bremsen den Ausbau der Erneuerbaren nach Kräften. Ein Mehr an erneuerbaren Energien und neue Atomkraftwerke passen einfach nicht zusammen", sagte Weiger.

Der BUND kündigte an, sich in den kommenden Monaten verstärkt für die Beschleunigung des Atomausstiegs einzusetzen. Höhepunkt werde eine große Anti-Atom-Demonstration am 5. September in Berlin sein.

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