Befürchtungen

BUND kritisiert Pläne für Steinkohle-Kraftwerk in Lubmin

Die Pläne des dänischen Energiekonzerns DONG Energy zum Bau eines Steinkohlekraftwerks in Lubmin sind am Freitag von der Landesregierung und dem Investor offiziell vorgestellt worden. Während die Landesregierung das Projekt befürwortete, kritisierten Umweltschützer sie als "energiepolitischen Albtraum".

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Schwerin (ddp-nrd/sm) Geplant seien zwei Kraftwerksblöcke mit einer Leistung von jeweils rund 800 Megawatt, sagte der Vorstandsvorsitzende von DONG Energy, Anders Eldrup, in Schwerin.

Wenn in diesem Jahr die Genehmigungsverfahren abgeschlossen würden, kann nach Angaben Eldrups der Bau der mehr als 1,5 Milliarden Euro teuren Anlage 2008 beginnen. Die Inbetriebnahme sei für 2012 vorgesehen. Es handle sich um eine der größten privatwirtschaftlichen Investitionen in Mecklenburg-Vorpommern, betonte Eldrup. Gebaut werde auf einem inzwischen erworbenen Gelände am neuen Industriehafen Lubmin. Das Kraftwerk, das gemeinsam mit der deutschen Investorengruppe WV Energie AG betrieben werden soll, werde mit Kohle beheizt, die mit Schiffen angeliefert werden solle. Mit der Anlage könne der Energiebedarf von 1,5 Millionen Haushalten gedeckt werden.

Das Unternehmen rechnet während der Bauphase mit bis zu 1000 Arbeitsplätzen vorwiegend für Menschen aus der Region. Mit dem Betrieb der Anlage sollen bis zu 125 langfristige Jobs entstehen. Das mit einer modernen Rauchgasreinigung ausgestattete Werk werde höchsten Umweltstandards entsprechen und mit dem technologisch höchstmöglichen Wirkungsgrad Strom produzieren, sagte Eldrup.

Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) sagte, die Ansiedlung des Kraftwerks sei für das Land von enormer Bedeutung. Neben den neuen Arbeitsplätzen komme man dem Ziel, Lubmin zu einem Energieknotenpunkt mit Biodiesel- und Solaranlagen sowie Gas- und Dampfkraftwerken zu entwickeln, ein Stück näher, sagte der Regierungschef.

Das Projekt ist nach Ringstorffs Ansicht auch für den deutschen Energiemarkt bedeutsam, weil mit DONG einer neuer Wettbewerber aktiv werde. Damit könne auch die Wettbewerbsposition zu den Öl- und Gaslieferanten verbessert werden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisierte die Pläne. Ein Steinkohlekraftwerk in Lubmin, das zudem hauptsächlich mit Importkohle aus Übersee betrieben werden solle, sei angesichts der weltweiten Klimaveränderungen ein umwelt- und energiepolitischer Albtraum. Zudem würden die zahlreichen Bemühungen im Land, mit der Entwicklung und Förderung zukunftsfähiger erneuerbarer Energien bundesweit eine Spitzenposition einzunehmen, mit einem Schlag zunichte gemacht.

Die 1972 gegründete DONG-Gruppe befindet sich zu 73 Prozent in dänischem Staatsbesitz. In Deutschland hatte das Unternehmen vor einigen Jahren einen Anteil von 25,1 Prozent an der kommunalen Energie- und Wasserversorgung in Lübeck übernommen. Der Konzern beschäftigt weltweit etwa 4500 Mitarbeiter. Er betreibt zahlreiche Gas- und Kohlekraftwerke in Dänemark sowie Wasser- und Biomassekraftwerken in Dänemark, Norwegen, Schweden, Belgien, den Niederlanden, Polen, Griechenland, Spanien und Großbritannien. DONG verfügt über mehrere Gas- und Ölfelder in der Nordsee und im Atlantik. Darüber hinaus gilt der Konzern als einer der weltweit führenden Betreiber von Windkraftanlagen und Offshore-Parks.

Von Sven Moritz