Kraftwerksneubau

Bund der Energieverbraucher will "Wirtschaftlichkeit von Stromeinsparungen" neu definieren

Der Bund der Energieverbraucher sieht in der in den kommenden Jahren entstehenden Stromlücke einen Wendepunkt für die Wirtschaftlichkeit von Einsparungen: Künftig müsse verglichen werden, ob die Milliarden besser in Kraftwerksneubau oder Einsparungen zu investieren sind. Die Variante mit den geringsten Kosten müsse bevorzugt werden, fordert die Vereinigung.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Der Stromverbrauch Deutschlands ist seit 1993 ständig gestiegen. Von 1993 bis 2000 um acht Prozent. Geht dieser Trend weiter, dann wird der Stromverbrauch bis 2020 um weitere 14 Prozent steigen. Dem aktuellen Jahresbericht des Umweltbundesamts zufolge, ist eine Verbrauchsminderung um zwölf Prozent bis 2020 möglich.

Auf der Basis einer Datenbank über alle Kraftwerke Deutschlands und altersbedingte Stilllegungspläne hat das UBA zudem den Kraftwerksbestand für die Jahre 2010 und 2020 prognostiziert. Die Kernenergie soll demnach bis 2020 von 22 Gigawatt auf vier Gigawatt sinken. Die Windenergie wird sich von zwölf auf 23 Megawatt verdoppeln, hätte aber nur ein Viertel des Ertrags eines Kernkraftwerks. Braunkohlekraftwerke sollen ebenfalls von 24 Gigawatt auf 13 Gigawatt sinken.

Daraus entsteht bis 2010 ein Neubaubedarf von zehn Gigawatt und bis 2020 von 40 bis 45 Gigawatt, wobei von einer zwölfprozentigen Stromeinsparung ausgegangen wurde. Schlussfolgerungen des UBA: "Für die nachhaltige Energienutzung in Deutschland ist es vorrangig, den bisher noch steigenden Strombedarf auf der Nachfrageseite durch Effizienz- und Einsparmaßnahmen drastisch zu senken. Die erforderlichen starken Änderungen des Energiesystems werden beträchtliche Investitionen in Techniken der rationelleren Energienutzung sowie zum Ausbau erneuerbarer Energien bewirken."

Der Bund der Energieverbraucher sieht in der Stromlücke einen Wendepunkt für die Wirtschaftlichkeit von Einsparungen: Künftig müsse verglichen werden, ob die Milliarden besser in Kraftwerksneubau oder Einsparungen zu investieren sind. Die Variante mit den geringsten Kosten müsse bevorzugt werden, fordert die Vereinigung. Gleichzeitig müsse der Begriff "Wirtschaftlichkeit von Stromeinsparungen" neu definiert werden. Der Bund der Energieverbraucher fordert daher Umweltminister Trittin auf, diese Konsequenzen des UBA-Jahresberichts durch Forschung zu vertiefen und die Schlussfolgerungen politisch umzusetzen.