Gutachten

BUND beklagt Sicherheitsmängel in deutschen Atommeilern

Die Umweltschutzorganisation BUND beklagt Sicherheitsmängel in den neun derzeit noch laufenden deutschen Atomkraftwerken. Etliche Reaktoren seien nach wie vor nicht ausreichend vor möglichen Erdbeben oder Hochwasser geschützt, hieß es in dem vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Gutachten einer Atomexpertin.

AKW Gundremmingen© herculaneum79 / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Hinzu kämen Risiken durch Brände, altersbedingte Ausfälle von Sicherheitssystemen oder eine mangelnde Sicherheitskultur. Kein deutsches Akw sei bisher hinreichend gegen einen Ausfall der Stromversorgung abgesichert.

Als besonders gravierend bewertete der BUND die Situation in dem nach seinen Angaben "technisch veralteten" Atomkraftwerk Gundremmingen in Bayern. Dort sind die Abklingbecken für ausgebrannte hochradioaktive Brennelemente direkt neben, jedoch außerhalb des speziell abgeschirmten Reaktor-Sicherheitsbereichs gebaut worden. Dieses Konstruktionsprinzip könnte bei einem Störfall nach Meinung der Expertin zusätzliche Gefahren bedeuten. Das war auch im 2011 explodierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima der Fall. In Abklingbecken lagert oft mehr hochgefährliches Material als im eigentlichen Reaktorkern.

Keine der deutschen Anlagen sei sicher

"Wir können detailliert nachweisen, dass sämtliche noch am Netz befindliche deutsche Atommeiler nicht sicher sind", erklärte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Offensichtlich hätten für die Betreiber Gewinninteressen Vorrang vor dem Schutz der Bevölkerung. Der Bundesregierung warf er Untätigkeit vor. Sie komme ihrer gesetzlichen Schutzpflicht für die Menschen nicht nach.

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima waren auch in Deutschland verstärkt Zweifel an der Sicherheit von Akw im Fall von außergewöhnlichen Vorkommnissen geäußert worden. Im Zuge des Atomausstiegs 2011 hatte die Bundesregierung einen Expertenbericht vorgelegt, wonach deutsche Meiler teilweise nicht gegen extreme Ereignisse wie den Absturz eines großen Flugzeugs, anhaltende Stromausfälle, Überschwemmungen oder schwere Erdbeben ausgelegt seien. Auch ein sogenannter Stresstest der EU hatte vor wenigen Monaten Nachrüstungsbedarf bei deutschen Akw angemahnt - etwa was die technische Ausrüstung zur Erdbebenwarnung angeht.

Dem Atomausstiegs-Beschluss zufolge sollen alle deutschen Akw bis Ende 2022 abgeschaltet werden. Auch von abgeschalteten Atomanlagen geht aufgrund des in ihnen befindlichen radioaktiven Materials aber noch längere Zeit ein Risiko aus.

Quelle: AFP