Interview

BUND: Aktionsplan für Energie-Effizienz statt Atomkraft

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hofft, dass beim Energiegipfel im September die Stromeffizienz das zentrale Thema sein wird. Die Verbandsvorsitzende Angelika Zahrnt mahnte in einem ddp-Interview, die Atomkraft stelle "nach wie vor die gefährlichste Art der Energieerzeugung dar".

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Zahrnt fügte mit Blick auf die Kühlungsprobleme bei der gegenwärtigen Hitzewelle hinzu: "Dass Atomkraftwerke keine Versorgungssicherheit gewährleisten können, erfahren wir aktuell. In Deutschland und in Frankreich müssen Atomkraftwerke wegen zu starker Erwärmung der Flüsse heruntergefahren werden, der Strom wird knapp und die Preise steigen." Zudem sei die Entsorgung des hochradioaktiven Atommülls noch immer ungeklärt.

Die BUND-Vorsitzende warnte, längere Laufzeiten würden "die nötige Energiewende hin zu erneuerbaren Energien und mehr Effizienz weiter hinausschieben". In diesem Fall fehle der Druck zu Neuinvestitionen.

Zahrnt kritisierte, derzeit versuchten Kraftwerksbetreiber mit Unterstützung der Union "alles, um unterhalb einer Gesetzesänderung den Atomkonsens aufzuweichen und möglichst viele der stillzulegenden AKW in die nächste Legislaturperiode zu retten." Sie widersprach dem Argument, die Atomkraft könne ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz sein. Zum einen seien Investitionen in erneuerbare Energieträger und in eine größere Energieeffizienz "weit effektiver und kostengünstiger". Zum anderen ließen begrenzte Uranvorkommen "nur einen minimalen Anteil an der Weltenergieproduktion zu".

Zahrnt betonte, die Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten sei gegen die Nutzung der Atomenergie. Dass sich Atomwaffenmächte wie die USA, Russland, Großbritannien und Frankreich für den Ausbau der Atomkraft einsetzten, überrasche sie nicht. Wenn Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und die Atomlobby daraus eine internationale Mehrheit für die Atomkraft konstruieren wollten, spreche das "für sich".

Sie fordert einen Aktionsplan für mehr Energie-Effizienz. Diese Frage müsse im Mittelpunkt des zweiten Energiegipfels im September stehen. Insbesondere das Thema der Steigerung der Stromeffizienz müsse endlich angegangen werden. Zahrnt forderte unter anderem ein strengeres Ordnungsrecht für "überflüssige Stromfresser" wie Stand-by-Schaltungen. Hinzu kommen müssten ein Marktanreizprogramm für stromeffiziente Geräte und klarere Verbraucherinformationen durch eine Aktualisierung der Kennzeichnung.

Die BUND-Chefin äußerte die Hoffnung, dass bei dem Energiegipfel "nicht schon wieder das Thema Atomkraft andere wichtige Themen zurückdrängt". Sie forderte zugleich ein Energiesystem, das "zur Windenergie passt". Zahrnt betonte: "Wir brauchen einen zunehmend flexiblen Kraftwerkspark anstelle großer, schwerfälliger Grundlast-Kraftwerke." Bei Windflaute müssten andere Kraftwerke den nachgefragten Strom produzieren.

Die BUND-Vorsitzende fügte hinzu: "Was wir also in den nächsten Jahrzehnten brauchen, um die zeitlich schwankenden, klimafreundlichen erneuerbaren Energieträger zu integrieren, sind reaktionsschnelle, leicht regelbare Kraftwerke." Notwendig sei ein kluges Energiemanagement, das Angebot und Nachfrage flexibel aufeinander abstimme.

Zahrnt betonte: "Das Stromnetz muss und kann angesichts der Herausforderung, den Windstrom zu integrieren, insgesamt einen Modernisierungsschub durch neue Techniken erfahren. Die großen, unflexiblen Atomkraftwerke wirken da eher antiquiert."

Weiterführende Links