Blutige Proteste

Bulgarische Regierung tritt wegen Strompreisrevolte zurück

Seit Tagen gehen Tausende Bulgaren aus Protest gegen massiv gestiegene Strompreise auf die Straße. Die Bulgaren trifft die Preiserhöhung dramatisch, denn sehr viele heizen auch mit Strom. Medienberichten zufolge wurde inzwischen nicht nur eine Senkung der Preise um acht Prozent angeordnet - die gesamte Regierung sei zurückgetreten.

Strompreise© Birgit Reitz-Hofmann / Fotolia.com

Sofia/Bulgarien (red) - Bei den seit Tagen andauernden Demonstrationen, die in mehreren größeren Städten in Bulgarien stattfanden, wurden zahlreiche Menschen verletzt. Etliche seien auch festgenommen worden, hieß es. Wie mehrere Korrespondenten berichten, seien die Proteste die schlimmsten seit der so genannten Hungerrevolte von 1997. Aufgrund dieser Proteste sei die gesamte Regierung am heutigen Mittwoch zurückgetreten, berichten mehrere Medien.

Stromkosten in Höhe eines Grundlohns

Vor rund einer Woche wurden die Proteste, die sich längst auch gegen den Ministerpräsidenten richten und nicht nur gegen seine Politik, durch massive Strompreiserhöhungen ausgelöst. Berichten zufolge zahlen viele bulgarische Familien zwischen 100 und 200 Euro monatlich für Strom - der Mindestlohn indes liegt lediglich bei 140 Euro. Besonders problematisch ist, dass viele Menschen den Strom auch zum Heizen nutzen.

Stromsperre offenbar ohne Vorwarnung

Die bulgarische Stromversorgung wurde 2005 privatisiert; seitdem gehört das Netz drei Konzernen aus Tschechien und Österreich, die Preise sind allerdings vom Staat reguliert. Proteste gibt es den Berichten zufolge übrigens nicht nur wegen der Höhe der Preise, sondern auch aufgrund der häufig genutzten Zahlung am Automaten: Gezahlt werden muss sofort, eine genaue Abrechnung gibt es erst danach. Wer nicht zahlt, bekomme zum Monatsende den Strom abgeklemmt.