Grün gegen Schwarz

Bütikofer: Längere AKW-Laufzeiten vervielfachen das Risiko

Es geht ums Prinzip: Wer "grün" wählt, wählt den Ausstieg aus der Atomenergie und damit die Minimierung von Sicherheitsrisiken UND den Ausbau erneuerbarer Energien. Wer "schwarz" wählt, wählt längere Atomkraftwerkszeiten und damit mehr Zeit für die Schaffung von Alternativen. Der Preis: Das Sicherheitsrisiko.

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Berlin (ddp/sm) - Die Grünen warnen vor einer Verschärfung der Sicherheitsrisiken deutscher Kernkraftwerke im Fall der von der Union angestrebten Laufzeitverlängerung der Atommeiler. Die Forschung habe längst bewiesen, dass diese Risiken überproportional zunehmen, je länger ein Atomkraftwerk laufe, sagte Grünen-Chef Reinhard Bütikofer am Mittwoch in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp in Berlin. "Verdoppelung der Laufzeit heißt Vervielfachung des Risikos."

Den Vorstoß des neuen Wirtschaftsberaters von Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU), Heinrich von Pierer, für eine Verlängerung der Laufzeiten auf bis zu 60 Jahre wertete Bütikofer als "unverschämte Provokation". Dabei sei es "jenseits der lobbyistischen Gier", die aus der Äußerung des Ex-Siemens-Chefs spreche, auch angesichts des internationalen Terrorismus verantwortungslos, "solche Risikoherde endlos verlängern zu wollen".

Bütikofer verwies zudem darauf, dass bei einer Gesamtlaufzeit von 32 Jahren pro Reaktor noch knapp 5800 Tonnen Atommüll anfielen. Bei einer Verlängerung auf 60 Jahre kämen zusätzlich 11 200 Tonnen hinzu, so dass sich die noch anfallende Menge etwa verdreifachen würde. Dies würde nicht nur zu einer "unendlichen Ausweitung" der Castortransporte führen, sondern auch das ohnehin ungelöste Problem der Atommüll-Endlagerung weiter verschärfen.

Der Grünen-Chef warf Merkel vor, mit einer solchen Atompolitik gegen ein "elementares Interesse der Mehrheit der Bevölkerung" zu verstoßen. Dabei müsste die CDU-Vorsitzende wissen, dass auch die Mehrheit der Unions-Wähler den Atomausstieg "weiterführen oder sogar beschleunigen" wolle, wie eine Umfrage zeige. Indem Merkel ihren Wirtschaftsberater "unwidersprochen in diese Richtung marschieren" lasse, übernehme sie "eins zu eins die verantwortungslose Energiepolitik" von US-Präsident George W. Bush. "Das ist neokonservative Revolution pur in der Umweltpolitik" und für die Grünen eine "absolute Kriegserklärung", unterstrich Bütikofer.

Umweltminister Trittin erklärte indes in der Netzzeitung, von Pierer sei ein schlechter Ratgeber für zukunftsorientierte Energiepolitik. "Wer alte, abgeschriebene Museumsmeiler wie Biblis und Brunsbüttel länger in Betrieb lassen will statt sie wie vorgesehen bis 2009 vom Netz zu nehmen, der behindert die Erneuerung des Kraftwerksparks, weil neue Anlagen gegen alte abgeschriebene Kraftwerke nicht konkurrieren können." Auch die energiepolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Michaele Hustedt, zeigte sich entrüstet: "Es geht nicht mehr um die Verlängerung der Laufzeiten, sondern um eine grundsätzliche Renaissance der Atomkraft", sagte sie. "