Pilotprojekt

Büros mit Abwärme aus Rechenzentrum heizen

Rechenzentren sind oft als Energiefresser verschrien - schon weil die Computer ständig gekühlt werden müssen. In Frankreich soll aus der Not nun eine Tugend werden - über die Nutzung der Abwärme. Es gibt jedoch auch genau entgegengesetzte Projekte, bei denen kalte Temperaturen genutzt werden.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Paris/Berlin (afp/red) - In einem Gewerbepark nahe Paris soll die im zentralen Rechenzentrum entstehende Wärme genutzt werden, um Büroräume zu heizen und Warmwasser aufzubereiten. Beginnen soll das Experiment - in Frankreich eine Premiere - bereits in diesem Winter. Seine Initiatoren hoffen, so die Abhängigkeit des Gewerbeparks in Marne-la-Vallée von fossilen Energieträgern mit ständig steigenden Preisen zu reduzieren und gleichzeitig den Ausstoß von CO2 zu vermindern.

Große Mengen CO2 einsparen

Die unterirdischen Leitungen würden derzeit verlegt, in Kürze könnten sich die ersten Kunden an das Netz anschließen lassen, betont Jean-Philippe Buisson von der Firma Dalkia, einer Tochter des Branchenführers für Umweltdienstleistungen Veolia Environnement und des staatlichen französischen Elektrizitätskonzerns EDF. Mittelfristig sollen mit der Abwärme bis zu 600.000 Quadratmeter Büroräume geheizt und mit Warmwasser versorgt werden. Damit können nach Berechnungen Buissons jährlich 5400 Tonnen CO2 weniger in die Luft gepustet werden.

Wie Müllverbrennungsanlagen oder auch geheizte Schwimmbäder könnten auch Rechenzentren als Energiequelle genutzt werden, versichert Buisson. Angesichts der weltweit immer größeren Zahl solcher Anlagen mit immer mehr und immer stärkeren Computern gebe es hier beachtliche Einsparmöglichkeiten.

Wärme aus der Kühlung nutzen

In dem rund 10.000 Quadratmeter großen Rechenzentrum des Gewerbeparks "Val-d'Europe" von Marne-la-Vallée soll die Wärme genutzt werden, die durch die Kühlsysteme entsteht. Damit kann Wasser auf 55 Grad erwärmt werden, das in ein unterirdisches Leitungsnetz fließt. An dieses Netz sollen nach und nach neue Gebäude von Unternehmen angeschlossen werden. Der Gewerbepark umfasst rund 150 Hektar, von denen bisher rund 30 bebaut sind.

Für die Heizung ihrer Büros sollen die Kunden den Plänen zufolge 8 Cent pro Kilowattstunde zahlen. Dies ist nach Angaben Buissons billiger als herkömmliche Elektroheizungen, wegen der hohen Anfangskosten für die Installation aber "etwas teurer" als Gas- oder Ölheizungen. Dennoch sei das Angebot durchaus attraktiv - nicht nur wegen der CO2-Einsparung: Zum einen blieben die Preise für den Abwärme-Strom konstant, was bei Gas und Heizöl nicht der Fall sei. Zum anderen sei die Energie aus dem Rechenzentrum ständig verfügbar, "Tag und Nacht, an sieben Tagen die Woche".

Heizen ohne Heizung

Bisher sind die Rechenzentren mit ihren Kühlgeräten und elektrischen Anlagen vor allem große Energieverbraucher, wie die Umweltschutzorganisation Greenpeace in einem im April veröffentlichten Bericht rügte. Demnach verschlingen diese zwischen 1,5 und zwei Prozent der weltweit verbrauchten Elektrizität - und ihr Strombedarf steigt jährlich um zwölf Prozent. Allein in Frankreich gibt es an die hundert Rechenzentren.

In Deutschland friste die Nutzung der Wärme aus Rechenzentren noch ein Nischendasein, sagt der Geschäftsführer der Bremer Energieberatung Erecon, Harald Rossol. Es seien "wirklich die ganz, ganz Engagierten", die entsprechende Vorrichtungen zum Heizen verbauten hätten. An die Wasseraufbereitung gar nicht zu denken. Die Geschäftsräume seiner eigenen Firma wärme er seit gut fünf Jahren mit der Luft aus dem Serverraum. "Wir heizen nie, wir kommen komplett mit der Wärme hin", erzählt Rossol. Der Energieverbrauch in seinem Unternehmen habe dadurch um fast zwei Drittel abgenommen.

Die gegensätzliche Strategie

Das Unternehmen Strato, das in Karlsruhe und Berlin zwei Rechenzentren mit insgesamt 40.000 Servern betreibt, setzt derweil auf eine gegensätzliche Strategie, nämlich auf die "intelligente Kühlung" der Geräte, sagt ein Unternehmenssprecher. Bei der so genannten freien Kühlung (free cooling) würden kühlere Umgebungstemperaturen genutzt. Sie sollen kaltes Wasser für den Einsatz in den Klimaanlagen erzeugen.