Verhärtete Fronten

Bürgerinitiativen lehnen Vattenfall-Vorschlag zur Erdverkabelung ab

Der Vorschlag von Vattenfall Europe, für eine Erdverkabelung durch den Thüringer Wald zu stimmen, stößt auf Ablehnung zahlreicher Bürgerinitiativen. "Über die Erdverkabelung brauchen wir nicht zu diskutieren", so der Vertreter der Bürgerinitiativen, Marcus Klopsch.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Großbreitenbach (ddp-lth/sm) - Am Rennsteig bleibt man hart angesichts des Vorschlags des Energieversorgers, die geplante Hochspannungstrasse unter Tage zu verlegen. Statt einer Erdverkabelung fordern die Gegner des Vorhabens weiterhin die Optimierung der bereits bestehenden Leitungen. Doch: "Seit fast zwei Jahren geht Vattenfall grundsätzlich nicht auf unsere Vorschläge ein", klagt Klopsch.

Der Energiekonzern Vattenfall will mit der neuen Leitung von Halle nach Schweinfurt Energie aus Windkraftanlagen von der Küste aufnehmen. Weil die Trasse mehrere Naturschutzgebiete durchschneiden würde, ist sie umstritten. Rückendeckung erhalten die Gegner vom Wiesbadener Wirtschaftsprofessor Lorenz Jarass. Der hatte in einer Studie bereits den geplanten Bau einer Starkstromleitung für nicht notwendig erachtet.

Die Bürgermeisterin der betroffenen Gemeinde Großbreitenbach, Petra Enders (Linke), hält den jüngsten Vorstoß für eine Verschleierungstaktik. "Vattenfall scheint im Vorfeld einer eventuellen Genehmigung bereits vollendete Tatsachen schaffen zu wollen", sagt Enders.

Diese Befürchtungen teilt die Erfurter Staatskanzlei nicht. Regierungssprecher Fried Dahmen verspricht: "Wir genehmigen nur die Variante, bei der Landschaftsschutz, wirtschaftliche Interessen und die Bedürfnisse der Bevölkerung unter einen Hut zu bekommen sind." Und bislang seien noch nicht alle Optionen geprüft. Gleichwohl hält er eine Erdverkabelung für denkbar - "als Teil einer optimalen Lösung", wie Dahmen sagt.

Unterdessen zeigt sich Vattenfall Transmission über den Vorschlag zur Erdverkabelung hinaus noch weiter kompromissbereit. "Wir sind offen für innovative Lösungen im Streit um den Trassenbau am Rennsteig", sagt Sprecherin Meike Wulfers. Sogar von den bis zu hundert Metern hohen Masten könne Vattenfall abrücken. "Denkbar wären Kurzstielleitungen oder eine Pilotverkabelung".

Wirtschaftsminister und Bundesnetzagentur fordern schnelleren Netzausbau

Für Vattenfall wird allmählich die Zeit knapp. Durch das Gesetz für erneuerbare Energien zum Ausbau seines Stromnetzes verpflichtet, hinkt der schwedische Staatskonzern den eigenen Planungen hinterher. Die Querung des Rennsteigs sollte bereits in diesem Jahr abgeschlossen sein. Doch bislang reibt sich das Unternehmen in einem langwierigen Genehmigungsverfahren und im Kampf gegen die Bürgerinitiativen auf. Hinzu kommt jetzt Druck von oberster Stelle. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) mahnte kürzlich in einem Interview einen zügigeren Ausbau der Stromnetze an. Auch die Bundesnetzagentur warnt aktuell vor Engpässen bei der Stromversorgung.

Unbeeindruckt von dieser Kulisse zeigen sich die Bürgerinitiativen. Es gehe aber nicht darum, den Ausbau des Stromnetzes zu blockieren oder zu verhindern, sagt Klopsch. "Im Gegenteil: Wir sind für die Förderung erneuerbarer Energien. Es geht uns lediglich um das Wie", betont er.