Erste Anlage Deutschlands

Bürgerinitiative protestiert gegen Wäscherei für AKW-Schutzkleidung

Rund 400 Menschen haben am Samstag in Hagen (Landkreis Cuxhaven) gegen eine geplante Wäscherei für AKW-Schutzkleidung demonstriert. Zu der Aktion hatte eine Bürgerinitiative aufgerufen, die befürchet, die Wäscherei sei erst der Anfang. Es wäre die erste Anlage dieser Art in Deutschland.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Hagen (ddp-nrd/sm) - Der Protestmarsch und die abschließende Kundgebung verliefen den Polizeiangaben zufolge friedlich und ohne Störungen. Die Demonstranten führten Transparente mit sich und hatten einen Traktor samt Anhänger mit Plakaten behängt.

In einem Ortsteil der Gemeinde Hagen soll laut Bürgerinitiative eine Wäscherei für kontaminierte Schutzkleidung angesiedelt werden, die von Mitarbeitern in Atomkraftwerken und nuklearmedizinischen Laboren getragen wurde. Es wäre die erste Anlage dieser Art in Deutschland. Bislang werden die Anzüge in den Einrichtungen selbst gereinigt.

Bürger fürchten: Wäscherei ist erst der Anfang

Die Initiative befürchtet nach eigenen Angaben neben gesundheitlichen Gefahren durch die radioaktiv belastete Wäsche die Errichtung eines Lagers für radioaktive Abfälle. Schließlich werde die geplante Halle der E.ON-Tochter Dekonta 3600 Quadratmeter groß, das gesamte Grundstück sei aber 20.000 Quadratmeter groß.

Der Bürgerinitiative sei anonym ein "Geheimpapier" zugespielt worden, im dem eine Mittelfristplanung der Firma Dekonta bis 2015 aufgestellt sei. Darin heiße es, dass nicht nur Anzüge, sondern auch Anlagenteile dekontaminiert werden sollen. Zudem sei ein Lager für Teile aus kerntechnischen Anlagen geplant.

Dekonta: Wäscherei wegen Atomausstieg nötig

Dekonta-Projektleiter Frank Schäfers hatte mit Protesten gerechnet. Er habe jedoch gehofft, die Bürger davon überzeugen zu können, dass keine Gesundheitsgefahren bestünden. Dies wolle aber niemand hören. Stattdessen werde von der Bürgerinitiative "nur Angst geschürt", kritisiert Schäfers. Das angebliche Geheimpapier stamme im Übrigen von ihm, die Mittelfristplanung sei überholt und habe sich zudem nie auf Sandstedt bezogen. Dort sei nur eine Wäscherei geplant. Das große Grundstück werde unter anderem als Rangierfläche für die Lastwagen benötigt. Notwendig werde die Wäscherei durch den Atomausstieg. Stillgelegte AKWs könnten die Reinigungsarbeiten nicht mehr selbst bewältigen. Glaube man der Bürgerinitiative, könnte man meinen, Dekonta plane ein Atomzwischenlager, sagt Schäfers.

Auch die Bürgermeisterin der Samtgemeinde Hagen, Susanne Puvogel (SPD), sagt: "Es werden Behauptungen in die Welt gesetzt, die jeder Grundlage entbehren". Sie habe selbst vier Kinder und sei "auch daran interessiert, dass ich sie keinem Risiko aussetze". Zudem seien die zu reinigenden Anzüge und Atemschutzmasken nur in geringem Maße kontaminiert. Das Abwasser der Wäscherei werde laut unabhängigem Gutachten kaum belastet sein. Die bei der Reinigung abgeschiedenen festen Stoffe würden getrocknet und in Fässern gesammelt. Diese würden zweimal jährlich zur Sammelstelle für radioaktive Abfälle im nordrhein-westfälischen Jülich abtransportiert.