Windenergie

BSH prüft 13 Vorhaben für Offshore-Windparks

Mit Offshore-Windparks, also Windanlagen die sich auf offener See 30 bis 40 Kilometer von der Küste entfernt befinden, betritt Deutschland Neuland. Derzeit prüft das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, wie sich die Anlagen auf Umwelt und andere Nutzer der Ost- und Nordsee auswirken.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com
13 Anträge für die Genehmigung von Offshore-Windparks (auf der offenen See gebauter Windenergieanlagen) werden derzeit vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) geprüft. Alle bisher beantragten Anlagen zusammen könnten bei voller Auslastung so viel Strom produzieren wie vier Kernkraftwerke, erklärte Christian Dahlke vom BSH am Freitag in Hamburg. Falls Gutachten die positiven Prognosen einzelner Antragsteller bestätigen würden, könne die erste kleinere Pilotphase zur Erprobung eines der Gesamtvorhaben voraussichtlich noch in diesem Jahr genehmigt werden. Eine erste Inbetriebnahme sei frühestens ab 2004 zu erwarten. Das BSH ist zuständig für die Genehmigung von Offshore-Anlagen, die seewärts außerhalb der 12-Meilen-Grenze in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Bundesrepublik Deutschland geplant werden.


Noch existieren keine derartigen Offshore-Windparks in deutschen Gewässern. Allerdings sei die Konkurrenz um aussichtsreichste Areale in vollem Gange, betonte Dahlke. So unterschiedlich die vorliegenden Projektanträge - neun für die Nordsee und vier für die Ostsee - auch in Art, Umfang und Konzeption seien: off shore könnten Windenergieanlagen mehr und insbesondere gleichmäßiger Strom erzeugen als an Land. Einzelne Antragsteller planten große Windparks mit über 200 Einzelanlagen der Fünf-Megawattklasse (MW), die frühestens ab dem Jahr 2005 serienreif seien. Andere Unternehmen beschränkten sich auf 60 bis 80 Windräder der Leistungsklasse zwei bis drei MW, die schon früher realisierbar erscheinen. Derzeitiger Stand der serienreifen Technik sind Anlagen mit 1,6 MW. Mit Offshore-Anlagen in den vorgesehenen Wassertiefen wird in Deutschland absolutes Neuland betreten. Alle geplanten Standorte - nördlich von Borkum und Helgoland, westlich von Sylt sowie in der Ostsee im Adlergrund - befänden sich 30 bis 40 Kilometer von der Küste entfernt in Gebieten mit Wassertiefen von 15 bis 35 Meter.


Das Genehmigungsverfahren trage dem Umstand Rechnung, das praktische Erfahrungen für Windenergieanlagen auf hoher See derzeit noch fehlten, erläuterte Dahlke. In gestuften Verfahrensschritten müsse mit immer genaueren Analysen nachgewiesen werden, ob und inwieweit Seeschifffahrt und maritime Umwelt durch Windräder beeinträchtigt sein könnten. Berücksichtigt würden unter anderem Naturschutzbelange, vor allem in Bezug auf Vögel und Schweinswale, Interessen der Marine, der Fischerei und anderer Nutzer (z.B. Ölförderung, Gaspipelines, Stromleitungen, Telekommunikationskabel). Fester Bestandteil aller Antragskonferenzen, Anhörungen und Erörterungstermine sei auch die Einbeziehung der jeweiligen Kommunen, etwa der Inselgemeinden und der Umweltverbände. Außerdem sehe die Seeanlagenverordnung als geltende Rechtsgrundlage bereits die Verpflichtung zum Rückbau der Anlagen im Falle späterer Stilllegung vor. Bereits vor Installation der ersten Anlage sei dies durch Bankbürgschaft abzusichern. Wann die ersten Offshore-Anlagen tatsächlich ans Netz gehen, hänge nicht allein von der Genehmigungspraxis des BSH ab, betonte Dahlke abschließend. Binnenwärts der AWZ, also im Bereich des Küstenmeeres bis zur 12-Seemeilen-Grenze, seien die jeweiligen Bundesländer sowie das Wasser- und Schifffahrtsamt zuständig. Diese müssten letztlich in eigenen Raumordnungs- und Genehmigungsverfahren über weitere Fragen etwa zu Kabeltrassen und Stromeinspeisung entscheiden.