Atommüll

Brunsbüttel: Vattenfall darf Atommüll-Fässer bergen

Im AKW Brunsbüttel lagern rund 632 Atommüllfässer, von denen einige beschädigt sind. Vattenfall plant die zum Teil rostigen Fässer in einem aufwendigen Verfahren aus den unterirdischen Kavernen zu entfernen. Das Vorhaben wurde nun von der zuständigen Atomaufsicht abgesegnet.

Castor© Tiero / Fotolia.com

Kiel (AFP/red) - Die schleswig-holsteinische Atomaufsicht hat die Pläne des Energiekonzerns Vattenfall zur Bergung hunderter teils beschädigter Atommüllfässer aus dem AKW Brunsbüttel gebilligt. Vattenfall habe grünes Licht, teilte das Energiewende- und Umweltministerium am Montag in Kiel mit.

Die Fässer sollten mit speziellen Greifern aus ihren unterirdischen Kavernen gehoben und in einer eigens darüber errichteten Unterdruckkammer für die Endlagerung aufbereitet werden.

Ein "unrühmliches Kapitel der Atomgeschichte"

Die Arbeiten sollen den Angaben zufolge voraussichtlich im dritten Quartal dieses Jahres beginnen und drei Jahre dauern. "Mit der Bergung kann endlich ein unrühmliches Kapitel der Atomgeschichte abgeschlossen werden", erklärte Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne).

Im inzwischen abgeschalteten Atomkraftwerk Brunsbüttel waren bei Inspektionen in den Lagerräumen für schwach- und mittelradioaktiven Abfall zahlreiche verrostete und beschädigte Fässer entdeckt worden. Von den rund 570 bisher untersuchten Behältern wiesen dem Ministerium zufolge 154 schwere Schäden auf. Einige Fässer konnten noch nicht untersucht werden. Insgesamt befinden sich an dem AKW-Standort nach derzeitigem Kenntnisstand 632 Fässer in sechs unterirdischen Lagerkavernen aus Beton.

Keine Gefahr durch Strahlung

Eine Gefahr für die Umwelt besteht nach Angaben der Behörden nicht, da Strahlung durch die Betondecken und -wände abgehalten wird. In den Fässern lagern Abfälle aus dem Reaktorbetrieb - darunter sogenannte Filterharze, Metallteile und Verdampferkonzentrat, das beim Reinigen radioaktiv belasteten Wassers übrigblieb. Die besonders gefährlichen hochradioaktiven abgebrannten Brennstäbe gehören nicht dazu. Sie lagern hermetisch abgeriegelt in Castor-Spezialbehältern in einem eigenen Zwischenlager.

Dem Ministerium zufolge trat das Konzentrat aus einigen beschädigten Fässern aus und sammelte sich danach als breiartige Masse in den Kavernen. Als mögliche Ursache für die Schäden gilt demnach, dass das Konzentrat vor der Verpackung vor Jahrzehnten nicht genügend getrocknet worden war, was zu feuchtigkeitsbedingter Korrosion an führte.

Konzept für die Bergung

Dem Bergungskonzept zufolge sollen die Fässer aus den geöffneten Kavernen gehoben werden. Dabei kommen eigens konzipierte Spezialgreifer zum Einsatz, die sich an mehreren Punkten an den Behältern abstützen und so ein Auseinanderbrechen verhindern. Die Arbeiten finden unter einer Dachkonstruktion statt, unter der ein Unterdruck herrscht, so dass keine Radioaktivität austreten kann. Die Abfälle werden dann in "endlagerfähige" Behälter umgepackt.

Die Abfälle sind für die Endlagerung im Schacht Konrad vorgesehen, dem offiziellen deutschen Lager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall. Es wird derzeit ausgebaut und steht voraussichtlich ab Anfang der 2020er Jahre zur Verfügung. Bis dahin sollen die radioaktiven Rückstände weiter am Atomkraftwerk Brunsbüttel bleiben.

Quelle: AFP