Endlich offengelegt

Brunsbüttel-Mängelliste im Internet veröffentlicht (Upd.)

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat bereits am Mittwoch morgen erstmals Inhalte der bislang geheim gehaltenen Mängelliste des wiederholt durch Störfälle aufgefallenen AKW Brunsbüttel veröffentlicht. Mittags wurde dann die komplette Liste auf der Website des Sozialministeriums Schleswig-Holstein veröffentlicht.

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Berlin/Kiel (ddp/sm) - Nachdem die DUH bereits am Morgen unter Berufung auf ein der Organisation zugespieltes Gutachten von der Mängelliste berichtete, ist diese nun komplett im Internet veröffentlicht. Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) habe immer wieder eine Veröffentlichung der Liste gefordert. Dies hatte Vattenfall bislang mit einer Klage verhindert, die der Konzern nun zurückgezogen hat. "Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben nun offenbar zu einem Umdenken bei Vattenfall geführt", so die Ministerin.

Wie DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch erklärte, fehlten zum Stichtag 21. Juni vergangenen Jahres 165 schwerwiegende Sicherheitsnachweise. Resch sprach von einem "Schrottreaktor", der einer der unsichersten Deutschlands sei. Die Expertenanalyse betreffe "praktisch alle Kernbereiche der Reaktorsicherheit". Besonders kritisch seien nicht erbrachte Bruchsicherheitsnachweise im Rohrsystem, Werkstoffprobleme, Mängel in der Elektro- und Leittechnik sowie die Verwundbarkeit gegenüber terroristischen Angriffen. Resch wertete die Liste als "Sprengsatz", die für Brunsbüttel voraussichtlich das Aus bedeute. Die erforderlichen Nachrüstinvestitionen würden sich für den Konzern womöglich nicht rechnen, da der Reaktor nicht mit einer Laufzeitverlängerung über 2009 hinaus rechnen könne.

Nach Angaben des für die Reaktoraufsicht zuständigen Kieler Sozialministeriums enthält die im Internet veröffentlichte Liste per Stichtag 30. Juni 2006 insgesamt 707 offene Punkte. Darunter seien aber keine sicherheitstechnischen Defizite, die umgehend beseitigt werden müssten. Zwar fielen 185 Punkte in die zweithöchste Kategorie. Doch für mehr als 100 Punkte lägen bereits positive Prüfergebnisse der Gutachter vor.

Die Mängelliste geht auf die nach dem Atomgesetz vorgesehene periodische Sicherheitsüberprüfung (PSÜ) zurück, die für Brunsbüttel im Jahr 2001 erstellt und seitdem laufend überarbeitet wurde. Vattenfall hatte am Dienstag nach langer Weigerung angekündigt, die Mängelliste des Atomkraftwerkes Brunsbüttel nun doch offenzulegen. Nach Angaben des Verwaltungsgerichts Schleswig hat der Konzern eine entsprechende Klage gegen das Kieler Sozialministerium zurückgezogen. Das Verfahren sei damit abgeschlossen, teilte das Gericht am Mittwoch mit.