Einfluss nutzen

Brüderle fordert Kunden zum Stromvergleich auf

Netzagentur-Chef Matthias Kurth und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle haben die Strompreis-Erhöhungen zum Jahreswechsel kritisiert. Beide betonten, dass das Verhalten der Kunden eine große Rolle spiele. Dort, wo es die Konzerne mit trägen, angestammten Kunden zu tun hätten, könnten sie sich eindeutig höhere Preise erlauben.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Kurth sagte, die Beschaffungskosten seien in den vergangenen zwei Jahren deutlich gesunken, von 12 bis 13 Cent in der Spitze auf jetzt 5 bis 6 Cent. "Und das sind nicht Spotpreise, also aktuelle Preise, sondern Preise, mit denen sie sich als Stromlieferant ein ganzes Jahr lang eindecken können", sagte er am Mittwoch im Berliner Inforadio. Auch die Netzkosten seien in den vergangenen vier Jahren deutlich gesunken. Diese sinkenden Preisbestandteile würden nicht an alle Kunden weitergegeben.

Das Kundenverhalten spiele eine große Rolle, ergänzte Kurth. "Denn 45 Prozent der Kunden sind noch in einem recht teuren Grundlasttarif, das ist der teuerste Tarif überhaupt." Die Strompreise variierten aber. Der Kunde könne einen Preis von 20 Cent bekommen, aber auch von 26 Cent. Die Mittelpreise lägen bei 23 Cent. Viele Stromanbieter hätten Billigtarife außerhalb ihres Vertriebsgebiets. "Und die sind deutlich günstiger. Dort, wo man Kunden gewinnen will, ist man günstig. Dort, wo man träge, angestammte Kunden hat, kann man es sich erlauben, auch die Preise zu erhöhen."

Ein Stromvergleich kann viel Geld sparen

Es wäre schon ein Fortschritt, wenn die Kunden die Preise vergleichen würden, fügte Kurth hinzu. "Wir haben vor über drei Jahren die Wechselmöglichkeiten sehr erleichtert. Es ist ein ganz einfacher Prozess ohne große Komplikationen, man ist auch sicher, man ist immer versorgt." Die Kunden könnten durch einen einfachen Anbieterwechsel sogar 200 bis 300 Euro im Jahr sparen.

Es sei zwar richtig, dass die Umlage für die erneuerbaren Energien im nächsten Jahr um circa 1,5 Cent pro Kilowattstunde steige, sagte Kurth zum Argument der Stromkonzerne. "Aber das ist ja nur ein Teil des Strompreises." Und zu bestimmten Zeiten dämpften die erneuerbaren Energien auch die Strompreise.