Ökostrom-Ausbau

Brüderle befürchtet Stromausfälle wegen Netzüberlastung

Das Bundeswirtschaftsministerium warnt vor Stromausfällen infolge überlasteter Netze durch den Ausbau erneuerbarer Energien. Das schon jetzt zum Teil an die Grenzen seiner Kapazitäten stoßende Stromnetz könne den forcierten Bau neuer Solar-, Wind- und Wasserkraftwerke bald nicht mehr verkraften.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Entsprechend berichteten verschiedene Medien am Wochenende und beriefen sich auf den neuen Elektrizitätsbericht von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP).

Die Stabilitätsgrenzen des elektrischen Systems seien "bereits heute punktuell zeitweise erreicht", zitierte die "Bild"-Zeitung am Samstag aus dem Bericht des Ministeriums. Als Grund werden auch fehlende neue Überlandleitungen infolge politischer Blockaden genannt. "Das zeitliche Auseinanderlaufen des rasanten Zubaus von Erneuerbaren Energien-Kapazitäten mit dem nur schleppend verlaufenden Ausbau der Stromnetze wird zunehmend zu strukturellen Problemen und Risiken für die Sicherheit der Stromversorgung in Deutschland führen, falls keine geeigneten Maßnahmen in der nahen Zukunft getroffen werden", heißt es in dem Bericht.

Sollte der Netzausbau "nicht beschleunigt werden können, besteht in den kommenden Jahren bei weiterem Ausbau der Erneuerbaren Energien die Gefahr, dass das Sicherheitsniveau im Hinblick auf die Systemstabilität abgesenkt" werde, heißt es demnach in dem alle zwei Jahre erstellten Monitoring-Bericht zur Sicherheit der Versorgung mit Elektrizität. Dies könnte starke Netzschwankungen zum Beispiel durch eine Drosselung der Stromzufuhr oder Kurzschlüsse bedeuten.

Bis zum Jahr 2015 seien zwar "keine strukturellen Engpässe und keine Gefährdung der Versorgungssicherheit zu erwarten", zitierte "Bild" weiter aus dem Bericht. Doch spätestens ab 2020 werde ein zunehmender Bedarf an Erzeugungsleistung eintreten, weil nach und nach die 17 Atommeiler vom Netz gehen. Dann müssten gewaltige Strommengen aus erneuerbaren Energien in das veraltete Netz eingespeist werden. Zudem wird in dem Bericht darauf verwiesen, dass ohne die Akw-Laufzeitverlängerung schon jetzt eine "signifikante Strommenge importiert" werden müsste. Das von der schwarz-gelben Koalition durchgesetzte Atomgesetz sieht vor, die Laufzeiten um durchschnittlich zwölf Jahre zu verlängern.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) kritisierte unterdessen die Energiekonzerne wegen der Erhöhung der Strompreise. "Strompreiserhöhungen sind nicht durch die Förderung der erneuerbaren Energien zu rechtfertigen", sagte er der "Bild am Sonntag". "Mehr noch: Ich halte sie generell für nicht gerechtfertigt." Er kritisierte, dass die Unternehmen den Strom billiger als früher einkauften, diesen Vorteil aber nicht an die Verbraucher weitergäben.