Serienreife nicht vor 2005

Brennstoffzelle - Hoffnungsträger und Herausforderung

3. Brennstoffzellen-Symposium in Wuppertal: Experten erwarten Marktdurchdringung im kommenden Jahrzehnt - erst stehen portable Systeme, Hausenergie und Transport an, später Autos.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Die Grundlagen, der Entwicklungsstand und die Potenziale der Brennstoffzellen-Anlagetechnik waren Thema eines Symposiums, das die Energieagentur Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit der Technischen Akademie Wuppertal und dem Kompetenz-Netzwerk Brennstoffzelle NRW am gestrigen Donnerstag in der Wuppertaler Stadthalle veranstaltete. Im Rahmen der Veranstaltung, die zum dritten Mal stattfand, informierten sich rund 80 Fachleute über den Stand der Markteinführung.

"Wer auf neue Energien als Geldanlage setzt, braucht gute Nerven, darf sich am Ende aber langfristig zu den Gewinnern zählen", erklärte Dr. Norbert Hüttenhölscher, Leiter der Energieagentur NRW, eingangs der Veranstaltung. "Die Brennstoffzelle", so Hüttenhölscher, sei ein wichtiger Hoffnungsträger, die Markteinführung aber "eine echte Herausforderung".

Der Brennstoffzelle wird weltweit eine wachsende Bedeutung zugeschrieben. Dank hoher Nutzungsgrade bieten Brennstoffzellen bereits bei kleinen Leistungsklassen beste Voraussetzungen für den Einsatz in Blockheizkraftwerken. "Für die Energieversorgung der Zukunft sind Brennstoffzellen-Systeme eine Schlüsseltechnologie", so Dr. Werner Schnurnberger vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Zwar waren sich alle Experten einig, dass die Brennstoffzelle technisch ausgereift sei, doch wurde zugleich vor zu großer Euphorie gewarnt. "In der Hausenergieversorgung stehen wir mit der Brennstoffzelle erst bei der Felderprobung von Prototypen", berichtete Kai Klinder von der Vaillant GmbH. "Nicht alle Ankündigungen der vergangenen Jahre sind auch zu halten." Weltweit gebe es noch keine Brennstoffzelle in der Hausenergieversorgung, die bereits Serienreife besitze. Klinder: "Das wird wahrscheinlich nicht vor 2005 der Fall sein".

Professor Dr. Detlef Stolten, Leiter des Kompetenz-Netzwerks Brennstoffzelle NRW, blickte ins Jahr 2010: "Erste technisch sinnvolle Aggregate wird es in drei bis vier Jahren geben. Eine Marktdurchdringung ist bereits im nächsten Jahrzehnt zu erwarten. Besondere Bedeutung werden die Zellen in den Bereichen portabler Systeme, Hausenergie und Transport haben. Das bedeutet konkret in Bussen, in der Wärme- und Energieversorgung von Wohnungen sowie in Handies, Laptops und weiteren Elektrogeräten."

Vorsichtig gab sich Dr. Falko Mahlendorf von der Mercator-Universität Duisburg: "Die Autoindustrie rudert mittlerweile zurück". Statt, wie angekündigt, 2004 werde der Serien-Pkw mit Membran-Brennstoffzelle nicht vor 2010 über die Straßen rollen. Grund dafür seien die anfallenden Kosten. Allein die 50-kW-Zelle für einen Autoantrieb würde noch immer 500.000 Mark kosten. Aber, so Mahlendorf: "Die Brennstoffzelle kommt. Daran führt kein Weg vorbei".

Die Vorzüge der Brennstoffzellen-Technologie sorgen weltweit für große Forschungsanstrengungen - jedoch ist die Wirtschaftlichkeit und also die Zukunft der Brennstoffzelle abhängig von öffentlichen Fördergeldern. "Brennstoffzellen stehen unter Kostendruck und benötigen Technologieförderung. Schnelle Erwartungen schaden der Entwicklung. Notwendig sind langfristige Planungs- und Förderhorizonte", so Prof. Bernd Höhlein vom Forschungszentrum Jülich.

Die Voraussetzungen in Deutschland seien indes noch nicht optimal. Zwischen 2001 und 2003 werde die Brennstoffzellen-Technik vom Bundeswirtschaftsministerium mit 30 Millionen Euro gefördert. Im gleichen Zeitraum würden in Japan 70 Millionen Euro und in den USA 120 Millionen Euro für die Brennstoffzelle ausgegeben. Höhlein: "Der Innovationsprozess hat mittlerweile eine erhebliche Dynamik gewonnen, durch technische Innovationen müssen aber noch erhebliche Kostensenkungsansätze sichtbar gemacht werden und in der Energiewirtschaft bedarf es einer Neuausrichtung".