Brand vom 1. Mai

Brennender Frachter hatte radioaktive Substanzen an Bord

Bei einem Frachterbrand im Hamburger Hafen vor rund zwei Wochen befanden sich außer Munitionsteilen und brennbarem Material auch hochgefährliche radioaktive Substanzen an Bord. Das geht aus der Antwort des Hamburger Senats auf eine Kleine Anfrage der Bürgerschaftsfraktion der Grünen hervor, die diese am Freitag in der Hansestadt veröffentlichte.

Radioaktiv© grandeduc / Fotolia.com

Hamburg (AFP/red) - Der Frachter "Atlantic Cartier", auf der es am Abend des 1. Mai zu einem Großfeuer gekommen war, hatte demnach unter anderem 8,9 Tonnen Uranhexaflourid, Munition, Treibladungen beziehungsweise Raketenbrennstoff und diverse weitere brennbare und explosive Chemikalien geladen. Ein Sprecher der Innenbehörde sagte der Nachrichtenagentur AFP, es habe dank des schnellen Eingreifens der Feuerwehr "zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Menschen oder den Hafen" bestanden.

Tatsächlich hätten sich auch nur 6,9 Kilogramm Uranhexaflourid an Bord befunden, sagte der Sprecher unter Berufung auf die Wasserschutzpolizei. Die genannten 8,9 Tonnen seien das Gesamtgewicht der speziellen Transportbehälter.

Am Rande einer Vertuschung

Der Grünen-Hafenexperte Anjes Tjarks bezeichnet es als "Ungeheuerlichkeit", dass der Senat die Öffentlichkeit nicht von sich aus über die Ladung informiert habe. "Hier muss man schon fast von einem Vertuschungsversuch sprechen." Es sei "nicht auszudenken", was bei dem Unglück nahe der Innenstadt hätte passieren können, erklärte er am Freitag. Auch die Hamburger CDU übte Kritik. Staatliche Stellen müssten bei Atomtransporten "ein hohes Maß an Transparenz" garantieren.

Die Behörden hatten nach dem Feuer nur allgemein bekanntgegeben, dass das 292 Meter lange Container- und Fahrzeugtransportschiff der Reederei ACL auch Gefahrgut geladen hatte und die Einsatzkräfte daher während der stundenlangen Löscharbeiten mehrere Container von dem Schiff in Sicherheit gebracht hatten.

Hochgiftige Uran-Flour-Verbindung

Uranhexaflourid ist eine Uran-Flour-Verbindung, die als Ausgangsstoff für die industrielle Uran-Anreicherung in Zentrifugen und anderen Anlagen dient. Der kristalline Stoff ist selbst nicht brennbar, allerdings extrem leicht flüchtig und reagiert heftig mit Wasser, wobei bereits die Luftfeuchtigkeit reicht. Dabei wird unter anderem auch ein äußerst ätzendes und hochgiftiges Fluor-Gas frei. Das enthaltene Uran ist ebenfalls giftig und zudem radioaktiv.

Nach der Antwort des Senats hatten die Einsatzkräfte bei dem Feuer auf der "Atlantic Cartier" 33 Gefahrgut-Container mit Kränen aus dem "unmittelbar gefährdeten Bereich" geborgen und an Land abgestellt. Auf einem Deck des Schiffs waren aus bislang ungeklärter Ursache Autos in Brand geraten und hatten einen Großeinsatz mit 300 Feuerwehrleuten und mehreren Löschbooten ausgelöst.

Solche Transporte gibt es häufiger

Nach Angaben von Atomkraftgegnern ist die "Atlantic Cartier" bekannt dafür, regelmäßig Uranhexaflourid und andere radioaktive Stoffe zwischen Deutschland und den USA zu transportieren. Das Uranhexaflourid stammt demnach in der Regel aus der deutschen Urananreicherungs-Fabrik im nordrhein-westfälischen Gronau.

Neben dem Gronauer Werk arbeitet laut einer am Freitag vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dem Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU und anderen Initiativen verbreiteten Mitteilung auch die Brennelemente-Fabrik in Lingen mit Uranhexaflourid. Es sei zu befürchten, dass die Lieferung auf der "Atlantic Cartier" für eine dieser Standorte bestimmt gewesen sei.

Quelle: AFP