Noch in den Kinderschuhen

Braunkohle aus dem Dampfdrucktopf

Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" aus Hamburg hat ein deutscher Wissenschaftler durch Zufall eine Methode entdeckt, mit der in wenigen Stunden aus Pflanzen Kohle ensteht. Anwendungsmöglichkeiten wären Energieträger oder Bindemittel für Kohlendioxid (CO2).

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (red) - Wie der Entwickler, Markus Antonietti vom Max-Planck-Institut (MPI) in Golm, erläutert, werden dazu Pflanzenreste zusammen mit einem Katalysator wie Zitronensäure oder einem Eisensalz in einem Druckbehälter bei etwa 200 Grad Celsius erhitzt. Nach kurzer Zeit liefere die Reaktion so viel Wärme, dass sie sich selbst antreibt. In kurzer Zeit entsteht so ein erdölartiges Zwischenprodukt, nach ein paar Stunden wandelt sich die Brühe in Torf, schließlich in Braun- und Steinkohle.

Der chemische Vorgang, den Antonietti "Hydrothermale Karbonisierung" (HTC) genannt hat, ist im wesentlichen bisher unklar. "Entgegen den Erwartungen läuft diese Abspaltung auch in Anwesenheit von Wasser ab", sagt Antonietti gegenüber dem Blatt.

Auch die Frage nach einer Anwendung des HTC-Verfahrens ist noch unbeantwortet. Die Instantkohle aus dem Drucktopf hat zwei Vorteile: Sie besteht aus feinen Kohlenstoff-Nanopartikeln, für die sich nach Antoniettis Einschätzung viele Anwendungen in der Industrie finden lassen, z.B. als Energieträger.

Der Einsatz als Kraftstoff wird von Forscherlkollegen als derzeit nicht wirtschaftlich angesehen. Antonietti hat jedoch noch andere Überlegungen. So könnte man zu Torf umgewandelten Biomüll zum Anbau von schnellwachsenden Pflanzen wie Schilf nutzen. Dadurch würde zusätzliches Kohlendioxid aus der Luft gebunden. Antonietti: "Da wir so eine negative Kohlendioxidbilanz erhalten, ist HTC ein attraktives Verfahren zum Handel mit CO2-Zertifikaten."

Auch der Einsatz in einer Brennstoffzelle, die derzeit an der Harvard-Universität entwickelt wird, wäre eine mögliche Anwendung. Dort versuchen Wissenschaftler, mittels einer kalten Verbrennung aus dem Feststoff Kohle Strom zu erzeugen. Dazu fehle Ihnen jedoch geeigneter Kohlenstoff, den allerdings das HTC-Verfahren erzeugt. "Es wäre möglich, dass in 30 bis 40 Jahren zehn bis 40 Prozent der Energie so hergestellt werden können", überlegt Antonietti.

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