Braunkohleregion

Brandenburg sieht Zukunft in Biomasse

Die traditionsreiche Braunkohleregion Lausitz in Brandenburg will in den kommenden Jahren einen Strukturwandel vollziehen. Neben der Entwicklung von kohlendioxidfreien Kohlekraftwerken durch Vattenfall und die TU in Cottbus, sollen auch die erneuerbaren Energien stärker in der Vordergrund rücken.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Cottbus (ddp-lbg/sm) - Die Lausitz war einst das elektrische Herz der DDR. Wenn in den Tagebauen rund um Cottbus in harten Wintern die Förderbänder stillstanden, gingen von Rostock bis Suhl die Lichter aus. Nach der Wende kam das Aus für die meisten Tagebaue, Kraftwerke und Brikettfabriken in der Region. In die danach noch existierenden Strukturen wurde viel investiert. Allein in das Kraftwerk "Schwarze Pumpe" flossen 2,3 Milliarden Euro. Es gehört heute zum Modernsten, was die Branche weltweit zu bieten hat.

Ziel: Wirkungsgrad steigern

Lausitzer Strom fließt längst wieder an Kunden außerhalb Brandenburgs. Für die meisten Menschen ist Braunkohle als Energieträger zwar abgeschrieben, in der Region wird dies jedoch ganz anders gesehen. An der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus etwa beschäftigen sich mehrere Fachbereiche mit der Energieerzeugung aus Braunkohle. Sie versuchen, mehr Energie aus dem Rohstoff zu pressen.

Die Wissenschaftler wollen den Wirkungsgrad auf 40 bis 50 Prozent steigern, der weltweite Durchschnittswert liegt bei 25 bis 30 Prozent. Durch den Emissionsrechtehandel steigt das Interesse der Industrie an den Forschungen. Jedes Prozent mehr Wirkungsgrad ist ein Prozent weniger Kohlendioxidausstoß, und der wird demnächst mächtig teuer.

Mehr Wirkungsgrad = weniger Kohlendioxidausstoß

In Cottbus forschen die Wissenschaftler gleich an mehreren Konzepten. Sie versuchen, die Braunkohle zu vergasen und zu trocknen und testen, wie sich das Kohlendioxid abschalten lässt. Die neue Technik soll sich an bestehende Kraftwerksanlagen andocken lassen. Derzeit wird allerdings noch probiert und geforscht. In den Cottbuser Versuchsanlagen drängen sich blitzneue Apparate, Leitungen und Anschlüsse auf mehreren Etagen.

Vattenfall will ein kohlendioxidfreies Kraftwerk

Die Ergebnisse will der Konzern Vattenfall in seinen Braunkohlekraftwerken umsetzen. In "Jänschwalde" bei Cottbus etwa soll die Effizienz durch neue Hochdruckturbinen-Bauteile gesteigert werden, die weniger verschleißen. Ziel des Konzerns sei jedoch ein kohlendioxidfreies Kraftwerk, sagt Vorstandssprecher Kurt Häge. Möglich wären da die Braunkohlevergasung oder die Verbrennung mit reinem Sauerstoff. Kohlendioxid fällt dann zwar auch noch an, kann aber herausgefiltert, verflüssigt und endgelagert werden. Die Pilotanlage soll in Brandenburg entstehen, mit dem Bau wird allerdings nicht vor 2015 gerechnet.

Vattenfall-GmbH zu erneuerbaren Energien

Daneben plant Vattenfall eine neue GmbH zu erneuerbaren Energien. Denn Energieproduzenten und Wissenschaftler setzen längst nicht mehr nur auf die Braunkohle. Deren Vorräte sind begrenzt und reichen nur noch für Jahrzehnte. Zwar stehen in Brandenburg so viele Windräder wie in fast keinem anderen Land, doch der Energierohstoff der Zukunft ist für die Experten ein ganz anderer: Biomasse wie Holz und Raps lässt sich in einem Flächenland wie der Mark problemlos anbauen.

Strukturwandel in der Region?!

BTU-Professor Reinhard Hüttl sieht schon einen Strukturwandel von der konventionellen zur Energie-Landwirtschaft auf die Region zukommen. Sein Fachbereich hat gerade einen neuen Versuch mit schnell wachsenden Baumarten gestartet. Auf 120 Hektar Fläche soll im Rekordtempo Holz herangezogen werden. Das könnte später sogar im Tank landen. Längst laufen Versuche, aus Bäumen Kraftstoffe zu gewinnen - angesichts ständig steigender Ölpreise eine echte Alternative.

Vision: Bioenergieregion Brandenburg

Hüttls Vision ist eine Bioenergieregion Brandenburg, aus der neuartige Kraftstoffe ebenso kommen wie Verpackungen aus Pflanzenmaterial. Brandenburg könne in Sachen nachhaltige Entwicklung in Deutschland eine Vorreiterrolle spielen, sagt er. Das Land habe das Potenzial dazu, und auch die Bewohner wollten diese Entwicklung. Und aus der Bergbaufolgelandschaft in der Lausitz könnte auch in Zukunft der Rohstoff für die Energieproduktion in Deutschland kommen.

Von ddp-Korrespondentin Sandra Schipp