Energiestrategie

Brandenburg setzt auf Braunkohle und CO2-Speicherung

Die Landesregierung Brandenburg hat am Dienstag die "Energiestrategie 2020" beschlossen und sich damit langfristig zur Braunkohle bekannt. Ziel der Strategie sei es, eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten und zum Klimaschutz beizutragen, sagte Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU).

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Potsdam (ddp-lbg/sm) - Maßgeblich zur Reduktion von CO2 soll das noch in der Entwicklung befindliche Verfahren zur Abspaltung von Kohlendioxid bei der Verarbeitung von Braunkohle beitragen. Grüne, Linke und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierten das Papier und forderten Alternativen zur Braunkohle.

Ziel ist laut Junghanns, den Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Angestrebt wird ein Maximum von 54,6 Millionen Tonnen. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums soll der Ausstoß ab jetzt bis zum Jahr 2020 um insgesamt fünf Millionen Tonnen reduziert werden. Eine Million Tonnen soll bis dahin die Industrie reduzieren, zwei Millionen Tonnen die privaten Haushalte, öffentlichen Einrichtungen sowie Gewerbe und Handel - beispielsweise durch Wärmedämmung und energiesparende Autos.

Zwei Millionen Tonnen soll zudem das voraussichtlich 2015 fertiggestellte Demonstrationskraftwerk zur CO2-Abscheidung in Jänschwalde beitragen. Die Technik ist derzeit in der Entwicklung. Im Sommer soll eine Pilotanlage in Schwarze Pumpe in Betrieb gehen. Ab 2020 erwarten die Politiker von der Technologie eine große Wirkung: Das dann auf der neuen Technik basierende Kraftwerk soll bis zum Jahr 2030 zwischen 20 und 25 Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger produzieren.

Opposition und Umweltschützer zweifeln an CCS-Technologie

Die Linke forderte einen "Plan B", falls die geplante Technologie nicht rechzeitig zur Verfügung stehe. Grünen-Landeschef Axel Vogel kritisierte die Fixierung der Landesregierung auf eine Technologie, deren Einsatz im Regelbetrieb und deren Wirtschaftlichkeit "derzeit mehr als fraglich" seien. Die enorme Produktion von Braunkohlestrom sei für die Verbrauchersicherheit unnötig und auch kein Garant für niedrige Strompreise.

BUND-Landeschef Axel Kruschat äußerte sich ähnlich. Seinen Angaben zufolge sollen ab 2013 alle CO2-Zertifikate im Kraftwerksbereich versteigert werden. Da die neue Technologie zur Abspaltung von Kohlendioxid frühestens 2015 zum Einsatz komme, könnte die Stromversorgung mit Braunkohle zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr wettbewerbsfähig sein und "explodierende Energiepreise" zur Folge haben.

"Wenn die Landesregierung keine Alternativen zur Braunkohlewirtschaft entwickelt, dann werden ab 2013 die Arbeitsplätze in der Region massiv bedroht sein", sagte Kruschat. Aus seiner Sicht sei die klimaschädliche Braunkohle für die Stromversorgung mittelfristig nicht mehr nötig.

Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) verteidigte das Festhalten an der Braunkohle. "Es ist uns bewusst, dass sie eine Reihe von Umweltproblemen mit sich bringt", räumte er ein. Doch es sei "unverantwortlich", auf Braunkohle zu verzichten. Die Energieversorgung dürfe nicht nur in Zusammenhang mit dem Klimaschutz bewertet werden, sondern könne auch zunehmend "ein soziales Problem" werden. Ein Preisanstieg von Strom hätte erhebliche Folgen für Verbraucher und Wirtschaft.

Zudem betonte Woidke, dass der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 von derzeit 6,2 Prozent auf 20 Prozent erhöht werden soll. Dabei soll Windkraft eine zentrale Rolle spielen, dazu solle deren Fläche in Brandenburg verdoppelt werden.