Perspektiven

Branchenvertreter zur Zukunft der Kohle

Auf dem dritten Kohle-Dialog des Verbandes der europäischen Kohlenindustrie (EURACOAL) betonten gestern die Branchenvertreter, dass der fossile Rohstoff auch in Zukunft Basis für ein globales Wachstum sei. Laut einer Forsa-Umfrage spricht sich eine Mehrheit der Bundesbürger für den Erhalt des Steinkohlebergbaus aus.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Brüssel/Herne (red) - Europa muss in seiner künftigen Energiestrategie den globalen Aspekten der Kohlenutzung einen wichtigen Platz einräumen, erklärte der EURACOAL-Präsident Nigel Yaxley, zur Eröffnung des jüngsten Kohle-Dialogs in Brüssel. Die gemeinsam von Industrie und den europäischen Institutionen durchgeführte Veranstaltung erörterte die Rolle der Kohle im zukünftigen Energiemix der EU sowie Strategien zur Entwicklung Kohlendioxid (CO2)-freier Kohlekraftwerke und zur umweltgerechten Speicherung von CO2.

Yaxley berichtete, dass der Kohlenverbrauch in China im vergangenen Jahr mit elf Prozent mehr als doppelt so stark gestiegen ist wie der weltweite Zuwachs. Auch in Indien und anderen aufstrebenden Volkswirtschaften gebe es deutliche Zuwächse bei der Kohlenutzung. Es dürfe aber nicht übersehen werden, dass Europa, nach China und den USA, die drittgrößte Kohleverbrauchsregion der Welt sei und derzeit 29 Prozent seines Bedarfs an Elektrizität aus Kohle decke. Der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung in den einzelnen Mitgliedsstaaten weist erhebliche Unterschiede auf und reicht von fünf Prozent in Frankreich bis zu 92 Prozent in Polen. Die EU deckt derzeit knapp 60 Prozent ihres Kohlebedarfs aus heimischen Stein- und Braunkohlevorräten.

Der für Januar angekündigte Strategic Energy Review der EU sollte die Kohle und ihre zukünftige Rolle im EU-Energiemix noch stärker und eindeutiger positionieren, sagte der EURACOAL-Präsident.

Yaxley kritisierte den Handel mit Emissionszertifikaten. Er stelle mangels Investitionssicherheit in vielen Mitgliedsstaaten ein Risiko für die Entwicklung und den Bau moderner Kohlekraftwerke dar. Ein Brennstoffwechsel zu Gas verringere die Versorgungssicherheit, belaste Verbraucher und ist löse CO2-Probleme langfristig nicht. Jetzt komme es darauf an, den Emissionshandel so gestalten, dass er die Modernisierung des europäischen Kraftwerksparks und die Entwicklung innovativer Technologien nicht behindert. Yaxley verwies auf die nationale Umsetzung des Emissionshandelssystems in Deutschland. Deutschland gebe Neuanlagen langfristig Investitionssicherheit und unterstützt darüber hinaus aktiv die Entwicklung CO2-freier Kohlekraftwerke.

Die europäische Kohlenindustrie begrüßt den Vorschlag der Technologieplattform Zero Emission Fossil Fuel Power Plant, bis 2015 etwa zehn bis zwölf CO2-freie Kraftwerke als Demonstrationslagen in der EU zu errichten und zu erproben. Es bestehe die begründete Hoffnung, die Technologie des CO2-freien Kraftwerks bis 2020 weltmarktfähig zu machen. Die globale Kohlenutzung erfordere aber auch die konsequente Erhöhung der Wirkungsgrade in den Kraftwerken.

In Deutschland sprechen sich 55 Prozent der Bundesbürger dafür aus, dass in Deutschland auch künftig weiter Steinkohle abgebaut wird. Dagegen erklären sich nur 31 Prozent, 14 Prozent der Bundesbürger sind unentschieden. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Deutschen Steinkohle AG (DSK) von Mitte Oktober.

Noch deutlicher ist die Mehrheit für die Steinkohle in Nordrhein-Westfalen: Dort sind 63 Prozent der Bürger für die Fortsetzung des Steinkohlebergbaus, lediglich 27 Prozent dagegen.

"Die Ergebnisse vorheriger Umfragen mit breiten Mehrheiten für die Förderung deutscher Steinkohle sind damit klar bestätigt", sagte DSK-Vorstandsvorsitzender Bernd Tönjes bei der Vorstellung der neuen Umfrage. "Die deutsche Steinkohle hat einen starken Rückhalt in der Bevölkerung."

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