Markt-Modell

Branchenbündnis: Ökostrom soll direkt verkauft werden

Ökostrom ist im Zuge der Energiewende bei immer mehr Verbrauchern ein Thema. Doch kann man sich wirklich sicher sein, ob es sich bei einem Angebot auch wirklich um Strom aus erneuerbaren Energien handelt? Ein Zusammenschluss aus Energieversorgern und Verbänden fordert mehr Transparenz mit der Einführung des Grünstrom-Markt-Modells.

Regenerative Energien© VRD / Fotolia.com

Berlin (red) - Ein Bündnis mehrerer Energieversorger und Verbände fordert die Bundesregierung auf, ein alternatives Direktvermarktungsmodell für Ökostrom zu ermöglichen. Das soll für mehr Transparenz bei dem Bezug von Ökostrom sorgen und genau das wünschen sich laut einer Umfrage auch Verbraucher.

Ökoenergie endet als Graustrom an der Börse

Minister Gabriel hat ein Dreivierteljahr nach der jüngsten EEG-Reform noch immer nicht die dort vorgesehene Verordnung für ein Marktmodell erlassen, das es Verbrauchern ermöglicht, direkt Ökostrom aus konkreten Anlagen zu beziehen", erklärten die Unternehmen Clean Energy Sourcing, EWS Schönau, Greenpeace Energy, MVV Energie AG und Naturstrom AG auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin. Verbraucher könnten aufgrund geltender Vermarktungsregeln derzeit in der Regel nicht klar erkennen, woher der von ihnen bezogene EEG-Strom stamme. Wegen der EEG-Vorschriften nehme Strom aus Wind- und Solaranlagen momentan fast ausschließlich den Weg über die Börse, wo er seinen grünen Herkunftsnachweis verliere und als so genannter "Graustrom" unbekannter Herkunft weiterverkauft würde.

Das Grünstrom-Markt-Modell

Die Unternehmen halten mit einem alternativen Vermarktungsmodell dagegen und fordern die Einführung des von ihnen entwickelten "Grünstrom-Markt-Modells" (GMM). Dieses sieht direkte Lieferbeziehungen zwischen Ökostrom-Anlagen, Versorgern und Kunden vor, ohne EEG-System und Strombörse zu nutzen. Der Vorteil: Der Verbraucher könne klar erkennen, dass er mit echtem Grünstrom aus konkreten Anlagen beliefert werde. Inzwischen unterstützten rund 30 Unternehmen und Verbände das Modell, das zudem quer durch alle Bundestagsfraktionen zahlreiche Befürworter fände.

Verbraucher wollen mehr Transparenz

Auch eine große Mehrheit der Verbraucher befürwortet eine grüne Vermarktungsalternative für Ökostrom, wie eine aktuelle Emnid-Umfrage im Auftrag von Greenpeace Energy belegt. In der Erhebung geben 68 Prozent der befragten Verbraucher an, dass ihr Vertrauen in die Energiewende gestärkt werden würde, wenn sie sicher wüssten, woher von ihnen bezogener Ökostrom stammt. 60 Prozent wünschen sich zudem, mit dem eigenen Stromtarif direkt Erneuerbare-Energien-Anlagen in der Region fördern zu können. Laut Emnid-Umfrage identifizieren sich 32 Prozent der Befragten "stark" bis "sehr stark" mit den Zielen der Energiewende, 22 Prozent allerdings "wenig" bis "gar nicht".

Weitere Vorteile des Modells

Neben mehr Transparenz für den Verbraucher ermögliche das Grünstrom-Markt-Modell auch dezentrale Versorgungskonzepte. "Damit erleichtert es vor allem kleineren Akteuren der Bürgerenergie, sich weiterhin mit eigenen Projekten für Stromerzeugung, Übertragung und Versorgung an der Energiewende zu beteiligen", sagt Dr. Thomas Banning, Vorstand der Naturstrom AG und des Bündnis Bürgerenergie e.V. Laut aktueller Emnid-Umfrage würde bei 78 Prozent der Verbraucher das Vertrauen in die Energiewende wachsen, wenn – etwa durch eine alternative Grünstromvermarktung – kleine Anbieter gestärkt und dezentrale Netze ermöglicht werden.

Das GMM bringe als weiteren Vorteil auch einen energiewirtschaftlichen Nutzen mit sich, wenn Versorger mit den Schwankungen von Wind- und Sonnenenergie konfrontiert würden – denn das Modell setzt finanzielle Anreize, Stromnachfrage und Stromproduktion besser aufeinander abzustimmen. Bei 75 Prozent der Verbraucher würde dies die Identifikation mit der Energiewende verbessern