Negatives Signal

Branche skeptisch nach Leipziger Votum gegen Gaz de France

Der aufgrund eines Bürgerentscheids geplatzte Einstieg des französischen Energiekonzerns Gaz de France (GdF) bei den Stadtwerken Leipzig ist von Branchenbeobachtern mit Skepsis aufgenommen worden. Der gescheiterte Deal sei ein negatives Signal vor allem für ausländische Investoren.

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Frankfurt/Main (ddp.djn/sm) - Das gelte vor allem für Unternehmen, die noch nicht am deutschen Markt investiert seien, sagte ein Branchenexperte dem Fachdienst "Dow Jones Energy Daily". Zudem werde nun jede Kommune, die darüber nachdenke, ihr Stadtwerk zumindest zum Teil zu privatisieren, sich diesen Schritt mindestens dreimal überlegen müssen. "Die Ablehnung privater Anteilseigner passt aber in die Zeit", betonte er.

Beim Leipziger Bürgerentscheid am Sonntag war dem Erwerb eines 49,9-Prozent-Pakets an den Stadtwerken durch GdF zum Preis von 520 Millionen Euro eine Absage erteilt worden. Insgesamt stimmten fast 149.000 Leipziger gegen den Verkauf und damit deutlich mehr als die erforderlichen 25 Prozent der 416 000 Wahlberechtigten. Die Wahlbeteiligung lag bei 41 Prozent. Von den Abstimmenden votierten gut 87 Prozent gegen das Vorhaben. In dem Entscheid wurde auch der Verkauf von Anteilen anderer städtischer Unternehmen wie der Leipziger Verkehrsbetrieb (LVB) und der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) ausgeschlossen.

Die Stadt habe mit der Ablehnung eine einmalige Chance verpasst, sagte ein anderer Branchenexperte. Ein solch hoher Preis könne in der Zukunft weder für die Stadtwerke Leipzig noch für andere kommunale Versorger erzielt werden.

Mit dem überraschend deutlich ausgefallenen Bürgervotum sind die ehrgeizigen Deutschland-Pläne von GdF vorerst gescheitert. Der erstaunliche strategische Aufschlag - das Stadtwerke-Paket war mit fast dem Dreizehnfachen des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen bewertet worden - war nur mit langfristigen Zielen der Franzosen zu erklären. "Gaz der France will in Deutschland größer einsteigen, koste es, was es wolle", hieß es vor Monaten bei einem Wettbewerber.