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BP Statistical Review of World Energy 2003: Erdöl weltweit aus mehr Quellen

BP-Chefvolkswirt Prof. Peter Davies stellte gestern in Berlin das BP Statistical Review of World Energy 2003 vor und bilanzierte dabei den weltweiten Energieverbrauch. Fazit: Erdgas ist der weltweit bevorzugte Brennstoff außerhalb des Transport-Bereichs. Marktfähige erneuerbare Energien wachsen zwar, ihr Beitrag zur gesamten Stromerzeugung bleibt jedoch klein.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Die Versorgungsquellen für Erdöl sind in der Welt immer breiter gestreut und die weltweiten Ölförderkapazitäten übersteigen deutlich die Nachfrage, erläuterte BP-Chefvolkswirt Prof. Peter Davies gestern in Berlin bei der Vorstellung des BP Statistical Review of World Energy 2003. Daher waren die Ölförderländer in der Lage, während des Irak-Krieges bzw. während unplanmäßiger Produktionsausfälle in Venezuela und Nigeria, den Bedarf der Ölkonsumenten zu decken. Die Verbraucherländer mussten ihre Notreserven nicht anzapfen. "Das sind gute Nachrichten im Hinblick auf die Versorgungssicherheit, zuviel Zufriedenheit wäre jedoch nicht angebracht", sagte Davies.

Da die globale Ölnachfrage schwach und die Förderung aus Nicht-OPEC- Ländern um 1,45 Millionen Barrel pro Tag angestiegen war, reduzierte die OPEC ihre durchschnittliche Tagesförderung um 1,87 Millionen Barrel pro Tag. Gleichzeitig griff sie auf eine Reservekapazität von fast vier Millionen Barrel pro Tag zurück, um den Markt während des Irak-Krieges zu versorgen. Insgesamt ging die Produktion der OPEC in drei der letzten vier Jahre zurück. "Das ist das Ergebnis einer wachsenden Ölversorgung aus anderen als OPEC-Quellen, und das wird wohl noch eine Weile so weitergehen", so Davies. "Die russische Ölproduktion ist in drei Jahren um 25 Prozent gestiegen. Hinzu kommt in mehreren Kontinenten und Regionen eine Gruppe neuer, Erdöl fördernder Gebiete, deren Förderung jetzt schnell wächst." Auf China entfielen in 2002 knapp 69 Prozent des weltweit gestiegenen Primärenergie-Verbrauchs.

Erdgas ist der weltweit bevorzugte Brennstoff außerhalb des Transport-Bereichs. Außerhalb der ehemaligen Sowjetunion stieg der Erdgasverbrauch im letzten Jahrzehnt um jährlich 3,4 Prozent, der Anteil von Erdgas am gesamten Energieverbrauch ist mit 24 Prozent ungefähr so hoch wie bei Kohle. Der Erdgasverbrauch in den USA erhöhte sich 2002 um 3,9 Prozent, während die Erdgasförderung in Nordamerika um 1,8 Prozent fiel. Importiertes Flüssiggas füllt die Lücke zum Teil. Die Gasförderer prüfen jetzt verschiedene Optionen, um diesen wachsenden Markt mit Erdgas bzw. Flüssiggas aus neuen Quellen zu versorgen.

Marktfähige erneuerbare Energien (außer Wasserkraft) verzeichnen ein schnelles Wachstum, ihr Beitrag zur gesamten Stromerzeugung in der Welt bleibt laut Bericht jedoch klein (1,7 Prozent in 2000 gegenüber einem Prozent in 1990).

Der weltweite Ölverbrauch blieb fast konstant. Der leichte Anstieg um 290 000 Barrel von 75,5 auf 75,7 Millionen Barrel pro Tag geht auf das Konto Chinas, wo der Ölverbrauch um 5,8 Prozent (332 000 Barrel pro Tag) stieg. Der weltweite Verbrauch von Erdgas stieg 2002 verhältnismäßig stark um 2,8 Prozent. Gründe hierfür waren ein um 3,9 Prozent erhöhter Verbrauch in den USA und ein um sieben Prozent höherer Verbrauch in den Nicht-OECD-Ländern des Asien-Pazifik-Raumes. Der Anstieg des Erdgasverbrauchs war höher als der des globalen Verbrauchs an Primärenergie, sein Anteil am gesamten Energieverbrauch ist mit 24 Prozent jetzt ungefähr so hoch wie bei Kohle.

Kohle konnte 2002 das größte Wachstum verzeichnen, der Kohleverbrauch stieg um 6,9 Prozent. Grund hierfür war eine erstaunliche Erhöhung um 27,9 Prozent in China. Wenn man China nicht berücksichtigt, stieg der weltweite Verbrauch um nur 0,6 Prozent. Der Verbrauch an Kernkraft erhöhte sich um 1,5 Prozent, das meiste davon in Asien. Der weltweite Verbrauch an Wasserkraft stieg gegenüber 2001 um 1,3 Prozent, lag jedoch immer noch unter dem Wert von 2000. Kernkraft und Wasserkraft machen je etwa sechs Prozent des gesamten Energieverbrauchs in der Welt aus.