Folgeschäden

BP räumt erstmals massives Imageproblem wegen Ölpest ein

Trotz massiven Drucks aus Politik und Öffentlichkeit hat der Energiekonzern BP einen neuen Versuch, das Ölleck im Golf von Mexiko abzudichten, verschieben müssen. Erstmals hat der Konzern nun eingeräumt, dass die Ölpest im Golf von Mexiko für das Unternehmen ein massives Imageproblem sei.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Galliano (afp/red) - Der Plan, die leckgeschlagene Steigleitung mit einer Art "Schlammkanone" zu verstopfen und schließlich mit Zement ganz zu verschließen, solle "in den kommenden Tagen" umgesetzt werden, teilte die Konzernzentrale am Dienstag mit.

Ursprünglich war der Einsatz für Dienstag angestrebt worden. Bei der "Top Kill" genannten Methode soll mit hohem Druck zäher Schlamm durch das Sicherheitsventil gepumpt werden, das eigentlich im Falle eines Unfalls das Bohrloch automatisch verschließen sollte. Auch Gummiabfälle und Golfbälle sollen in die lecke Steigleitung gepresst werden. Gelingt es so, den Ölfluss einzudämmen, soll die Quelle schließlich mit Zement komplett versiegelt werden.

BP-Einsatzchef Doug Suttles kündigte an, der Versuch solle nun am Mittwoch unternommen werden. Der Ölkonzern steht wegen des Unfalls, der sich vor über einem Monat ereignete, in der Kritik. US-Innenminister Ken Salazar hatte BP am Wochenende mit außergewöhnlich scharfen Worten attackiert und gedroht, die Regierung werde BP das Heft aus der Hand nehmen.

Diese Aussage wurde aber vom Chef der US-Küstenwache, Thad Allen, umgehend als "metaphorisch" relativiert. "Durch wen sollte BP ersetzt werden?", fragte der Behördenchef. Er sei regelmäßig in Kontakt mit BP-Chef Tony Hayward. Dieser verstehe sehr wohl, was von ihm verlangt werde, und handle auch entsprechend. Allen teilte mit, er habe auch andere Ölfirmen konsultiert und sichergestellt, dass BP mit seinen Versuchen, das Leck in 1500 Metern Meerestiefe abzudichten, auf der Höhe der technischen Möglichkeiten sei. "Sie schöpfen alle möglichen technischen Mittel aus, um mit dem Leck fertigzuwerden", sagte Allen.

Ein führender Berater von US-Präsident Barack Obama teilte mit, BP arbeite bereits eng mit den Kräften der Regierung zusammen. "Alle Wissenschaftler unserer Regierung gehören zu BPs strategischem Team, die Küstenwache war von Anfang an dabei", sagte David Axelrod im Fernsehsender CNN. Opposition und lokale Regierungen der betroffenen Bundesstaaten äußern sich zunehmend kritisch zum Vorgehen der Regierung. Louisianas Gouverneur Bobby Jindal verlangt das Aufschütten von vorgelagerten Inseln, um die Küste vor dem Ölteppich zu schützen, doch die Regierung überprüft weiterhin die Wirksamkeit dieser Methode.

BP kämpft derweil nicht nur mit dem Leck, sondern auch gegen den schweren Schaden für seinen Ruf. BP-Chef Hayward räumte erstmals ein, dass die Ölpest im Golf von Mexiko für seinen Konzern ein massives Image-Problem sei und dass "die Verteidigung der Küste bislang keinen Erfolg hatte". Er selbst sei "am Boden zerstört", sagte Hayward bei einem Besuch in Port Fourchon im Süden des am meisten betroffenen Bundesstaates Louisiana. Der Konzern sagte bis zu 500 Millionen Dollar zur Erforschung der Folgen des Unfalls zu. "Wir sind hier, um zu bleiben", sagte Hayward in Louisiana. "Wir werden jeden einzelnen Tropfen Öl von der Küste entfernen."

Vor mehr als einem Monat war die von BP betriebene Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko explodiert und wenig später gesunken. Dabei starben elf Arbeiter. Seitdem strömt kontinuierlich Öl ins Meer und verseucht die Küstengebiete mehrerer US-Bundesstaaten.