Missbrauchsaufsicht erforderlich

Böge sieht Netzbündelung der Stromversorger skeptisch

Bundeskartellamtspräsident Ulf Böge steht der von der Energiebranche vorgeschlagenen Bündelung von Strom- und Gasnetzen skeptisch gegenüber. "Ohne Zweifel ist eine solche Bündelung ein Kartell", sagte Böge dem "Handelsblatt" (Mittwochausgabe). Ein Vorteil für die Verbraucher sei keineswegs sicher.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - Einige Versorger haben der EU-Kommission angeboten, ihre Netze zusammenzufassen und die Kontrolle an unabhängige regionale Systembetreiber abzugeben. Das Eigentum an den Netzen wollen sie behalten. Mit ihrem Zugeständnis wollen die Konzerne eine Zerschlagung verhindern. Doch laut Bundeskartellamtspräsident Ulf Böge müsse auch ein Netzpool einer Missbrauchsaufsicht unterliegen, um überhöhte Netzentgelte zu verhindern.

Böge bewertete die Aktivitäten der großen Energiekonzerne, über Billigmarken das Preisgefüge bei Strom und Gas aufzubrechen, mit großer Zurückhaltung. "Offensichtlich fragen sich die Großen, was sie in den vergangenen Jahren falsch gemacht haben. Das ist an sich schon zu begrüßen. Allerdings entsteht durch diese neuen konzerneigenen Anbieter nur bedingt Wettbewerb", sagte Böge. Die neuen Gesellschaften unterböten lediglich Standardtarife, die zum Teil sehr überzogen seien. "Die Kunden sollen sich nicht blenden lassen. Unternehmen mit marktbeherrschender Stellung haben keinen Grund, etwas zu verschenken." E.ON bietet seit kurzem über eine neue Billig-Tochter Strom und Gas an. RWE arbeitet an einem ähnlichen Konzept. EnBW betreibt mit Yello bereits seit Jahren einen Billiganbieter im Strombereich. Das Unternehmen prüft ähnliche Aktivitäten im Gassektor.

Böge kritisierte Bestrebungen der Politik, die Entstehung nationaler Champions zu fördern. "Nationale Champions erhalten Marktmacht, mit der sie mittelständische Unternehmen vernichten und damit den Wettbewerb empfindlich stören können", sagte Böge.