Mehr Anreize für Investitionen

BNetzA erhöht Renditen für Strom- und Gasnetzbetreiber (Upd.)

Die Bundesnetzagentur will mehr Anreize für Investitionen in das ausbaubedürftige deutsche Stromnetz geben und hat überraschend die zulässigen Renditen erhöht. Die Energiewirtschaft sprach von einem "Schritt in die richtige Richtung". Verbraucherschützer kritisierten die Entscheidung hingegen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Bonn (ddp-nrw/sm) - Wie die Bonner Behörde am Montag mitteilte, werden die Eigenkapitalzinssätze für Neuinvestitionen ab 2009 auf einheitlich 9,29 Prozent angehoben.

Bisher hatte die von der Netzagentur den Stromnetzbetreibern 7,91 Prozent genehmigt, den Gasnetzbetreibern 9,21 Prozent. Nach dem bisherigen Entwurf wollte die Regulierungsbehörde die Eigenkapitalzinssätze eigentlich auf einheitlich 7,82 Prozent senken.

Nach den Worten von Netzagentur-Präsident Matthias Kurth betreffen die neuen Zinssätze Investitionen im Netzbereich in Höhe von 8,6 Milliarden Euro, die von den Unternehmen beantragt wurden. Davon entfielen 6,2 Milliarden Euro auf die vier deutschen Betreiber von Hoch- und Höchstspannungsnetzen, also E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall Europe.

Die jetzige Entscheidung sei ein "deutliches Signal für attraktive Bedingungen für Investitionen in Strom- und Gasnetze", sagte Kurth. Niemand in Deutschland müsse sein Netz verkaufen, weil die Renditen hier zu gering seien.

Gleichzeitig plädierte die Behörde für die Zusammenlegung der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber im Strommarkt zu einer gemeinsamen Netz AG. Durch den Wegfall der bisherigen vier Regelzonen könnten jährliche Synergien im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erreicht werden. Zudem würden die Marktstrukturen vereinfacht und die deutsche Position im europäischen Strom-Verbundnetz gestärkt. Eine Netz AG erleichtere zudem den Stromhandel. Derzeit betreiben die vier Betreiber E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall Europe ihr Netz jeweils in einer festen Zone in eigener Verantwortung.

E.ON hatte allerdings jüngst angekündigt, sein Leitungsnetz verkaufen zu wollen. Die EU und die Bundesregierung befürworten eine organisatorische Entflechtung von Stromerzeugern und Netzbetreibern an, um mehr Wettbewerb und somit günstigere Strompreise zu ermöglichen. Die EU strebte sogar lange eine eigentumsrechtliche Aufspaltung der Energiekonzerne in Stromproduktion und Netzbetrieb an.

Der Bundesnetzagentur zufolge führt die Änderung gegenüber dem eigentlich geplanten Absenkungs-Entwurf zu einem jährlichen Mehrerlös bei den Netzbetreibern von 270 Millionen bis 300 Millionen Euro. Die Netzagentur habe sich bei einer Anhörung "von besseren Argumenten überzeugen lassen", sagte Kurth. Es stimme aber nicht, dass sein Haus vor den Unternehmen eingeknickt sei.

Verbraucherschützer kritisieren die höheren Renditen. "Wir können nicht verstehen, warum die Netzbetreiber eine so hohe Rendite zugesichert bekommen", beklagte der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters, im "Tagesspiegel". Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sprach in dem Blatt von einem "politischen Sperrfeuer" der Stromkonzerne, die wiederholt vor einer Gefährdung der Versorgungssicherheit gewarnt hatten, wenn die Eigenkapitalverzinsung für Netzinvestitionen nicht angehoben werde.

Dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gehen die Pläne indes nicht weit genug. Die Bundesnetzagentur liege damit noch unter dem international üblichen Zinsniveau, kritisierte BDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller. Nur mit einer international konkurrenzfähigen Verzinsung seien Investoren bereit, für den dringend erforderlichen Aus- und Umbau der Netze Kapital bereit zu stellen. Seien die Zinssätze niedriger als im Ausland, wandere das Kapital dorthin ab und fehle in Deutschland.