BMU: Offene Sicherheitsfragen beim Atomkraftwerk Temelin

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com
Das Bundesumweltministerium sieht offene Sicherheitsfragen beim Atomkraftwerk Temelin. Dies ergibt sich aus einer Studie, die das BMU bei der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Auftrag gegeben hatte. So sei etwa die Zuverlässigkeit wichtiger Sicherheitsventile nicht ausreichend nachgewiesen. Darüber hinaus bestehen Bedenken, ob ausreichend Vorsorge gegen die Gefahr eines Bruchs von Speisewasser- und Dampfleitungen getroffen wurde. Außerdem sei die Kapazität der Batterien für die Notstromversorgung unzureichend. Das Bundesumweltministerium hat der tschechischen Atomaufsichts- und Genehmigungsbehörde SUJB die Ergebnisse der Studie mit dem dringenden Wunsch übermittelt, die Sicherheitsbedenken vor dem Anfahren des Reaktors bei einem gemeinsamen Treffen von Experten beider Behörden zu erörtern. Nach Auffassung der deutschen Atomaufsicht ist ein Anfahren des Reaktors vor Klärung der übermittelten Zweifel und offenen Fragen nicht vertretbar.


Bundesumweltminister Trittin hatte sich bereits mehrfach gegenüber der tschechischen Regierung dafür ausgesprochen, auf das AKW Temelin zu verzichten: "Dieses Projekt von vorgestern trägt nicht dazu bei, eine zukunftsweisende, umwelt- und klimafreundliche Energieversorgung in Tschechien aufzubauen." Der Minister hatte sich darüber hinaus gegen eine überstürzte Inbetriebsetzung ausgesprochen, ohne dass die erforderlichen Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung abgeschlossen und ohne dass offene Sicherheitsfragen geklärt sind. Auf Drängen der tschechischen Regierung soll der Reaktor in Kürze seinen Betrieb aufnehmen. Bereits im Juli wurde er mit Kernbrennstoff beladen. Die erste selbsterhaltende Kettenreaktion soll in den nächsten Wochen erfolgen. Temelin vom sowjetischen Typ WWER 1000 ist seit Mitte der achtziger Jahre in Bau. Für Kraftwerke dieses Typs sind international zahlreiche Sicherheitsdefizite identifiziert worden. Nach zahlreichen Umplanungen, Verzögerungen und Kostensteigerungen wird es mit Hilfe des US amerikanischen/englischen Kraftwerksbauers Westinghouse fertiggestellt. Ein baugleiches Kraftwerk war in Stendal geplant, wurde jedoch angesichts der Defizite und erheblichen Nachrüsterfordernisse nicht mehr fertiggestellt.