Atom-Desaster

BMU: Kernschäden an vier Reaktoren in Fukushima

Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi gibt es nach Einschätzung der Bundesregierung mit hoher Wahrscheinlichkeit Schäden an Kernbrennstäben in den Reaktoren eins, zwei und drei sowie im Abklingbecken von Block vier. Das japanische Krisenmanagement bewerten Experten unterdessen als "hilflos".

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Köln (dapd/red) - "Ob und wie weit es zu einem Schmelzen des Kernmaterials kam, ist nicht klar", sagte Christiane Schwarte, Sprecherin des Bundesumweltministeriums am Montag. Allerdings gebe es Indizien für eine Kernschmelze.

Dies sei aber nicht gleichbedeutend mit dem Durchschmelzen des radioaktiven Materials im Reaktordruckbehälter, fügte sie an. Die deutschen Behörden hätten keine eigenen Erkenntnisse, sondern bezögen ihre Informationen vornehmlich von der internationalen Atomenergiebehörde IAEO sowie von der Gesellschaft für Reaktorsicherheit.

Nach Einschätzung des Strahlenbiologen Edmund Lengfelder ist Fukushima nicht mehr zu retten. Lengfelder sagte am Montag im Deutschlandfunk, die Darstellung der japanischen Regierung, wonach es in Reaktor 2 des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi lediglich eine partielle und vorübergehende Kernschmelze gebe, sei "verharmlosend" und eine "Fehlinformation für die Öffentlichkeit". Die Kernschmelze sei nicht mehr zu verhindern.

Nach Ansicht des Leiters des Münchener Otto Hug Strahleninstituts ist die befürchtete Kernschmelze schon seit Längerem eingetreten. "Das kann man aus der Freisetzung der entsprechenden Radionuklide ableiten. Und nachdem eine Kühlung nicht mehr möglich ist und die Brennstäbe und möglicherweise auch das Inventar im Druckgefäß vor sich hin reagiert, ist einfach die Kernschmelze zwangsläufig da, und sie wird auch noch lange Zeit andauern."

Das Bemühen der japanischen Regierung, die defekten Reaktoren mit Wasser zu kühlen, sei ein "hilfloses Unterfangen" und der Versuch, "zu bremsen, wo es nach meiner Meinung nicht zu bremsen geht". Lengfelder hält es für notwendig, die Schutzzone um die Reaktoren herum auf einen Umkreis von mindestens 50 Kilometer auszudehnen. Es komme jetzt darauf an, eine weitere Strahlenbelastung für die Bevölkerung durch Evakuierungen zu vermeiden.

Der Professor, der sich viele Jahre intensiv mit den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl befasst hat, bescheinigte der Sowjetunion im Katastrophenfall von 1986 ein vergleichsweise konsequenteres Krisenmanagement. So sei damals viel schneller weiträumig evakuiert worden, in einem allerdings auch viel schwächer bewohnten Gebiet. Das japanische Krisenmanagement wertete der Strahlenexperte als "wirklich nicht für gut und nicht vertrauenswürdig".