Mehr Demonstranten

Blockaden und Proteste bei Atommülltransport

Begleitet von Demonstrationen, Streckenblockaden und Brandanschlägen auf Bahnanlagen ist am Wochenende ein Atommülltransport von Frankreich nach Niedersachsen gerollt. Am Sonntag blockierten Atomkraftgegner gleich mehrfach das letzte Schienenteilstück zwischen Lüneburg und Dannenberg.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Leitstade/Gorleben (ddp/sm) - Atomkraftgegner haben am Samstag mit einer Blockade in Rheinland-Pfalz den Atommülltransport gestoppt. Nach Angaben eines Polizeisprechers ketteten sich am Mittag bei Berg in der Pfalz (Kreis Germersheim) drei Atomkraftgegner unter den Bahnschwellen an.

Mehrere Verletzte bei Auseinandersetzungen

Während am niedersächsischen Zwischenlager Gorleben am Samstag rund 16.000 Menschen friedlich gegen Atomkraft demonstrierten, kam es am Sonntag bei Lüneburg zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Atomkraftgegnern. Nach Polizeiangaben wurden mehrere Beamte durch Steinwürfe verletzt. Bei Brandanschlägen auf Signalanlagen in mehreren Bundesländern ging die Polizei von einem Zusammenhang mit dem Atommülltransport aus.

Bereits am Sonntagmorgen entzündeten Atomkraftgegner auf und entlang der Bahnstrecke mehrere Barrikaden. Rund 700 Atomkraftgegner wurden von der Polizei unter Einsatz von Schlagstöcken von der Strecke gedrängt. Dabei wurden auch Wasserwerfer eingesetzt. Bei Eichdorf ketteten sich zwei Aktivisten zwischenzeitlich an die Gleise.

An einigen Stellen wurden Schienenanlagen unterhöhlt. Nach Auflösung der Blockaden hätten teilweise vermummte Atomkraftgegner in Gruppen immer wieder versucht, auf die Gleise zu gelangen. Bei Harlingen räumte die Polizei Sitzblockaden der Initiative Widersetzen, an denen sich rund 300 Menschen beteiligten.

Im Verlauf des Nachmittags gab es weitere Blockadeversuche. Zudem verhinderten Demonstranten mit einer Sitzblockade an der Oldendorfer Brücke die Weiterfahrt eines Polizeikonvois. Die Mehrzahl der Kundgebungen, Sitzblockaden und Proteste verlief nach Polizeiangaben jedoch friedlich.

"Renaissance der Anti-Atomkraftbewegung"

Die Atomkraftgegner im Wendland werteten den Verlauf der Proteste gegen den Atommülltransport als Erfolg. "Wir haben das Gefühl, dass uns die große Unterstützung neue Perspektiven eröffnet", sagte der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke.

Jochen Stay von der wendländischen Initiative X-tausendmal quer sprach von einer "Renaissance der Anti-Atomkraftbewegung". Wenn der Atomausstieg im kommenden Jahr Thema im Bundestagswahlkampf werde, "mischen wir kräftig mit".

Gegner des Atommülltransports verübten am Wochenende offenbar mehrere Brandanschläge auf Einrichtungen der Deutschen Bahn. Dabei entstanden laut Polizei erhebliche Sachschäden an Kabeln für Signal- Funk- und Telefonanlagen.