Stromausfall

Blitz legt Stromversorgung von AKW Krümmel lahm

In der Nähe des Atomkraftwerks Krümmel schlug am Dienstag ein Blitz ein und legte die Stromversorgung für rund drei Stunden lahm. Die Notstromdiesel lieferten ausreichend Strom, um die Kühlsysteme des bereits abgeschalteten Kraftwerks am Laufen zu halten. Ein Stromausfall zählt zu den gefährlichsten Störfällen.

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Kiel (AFP/red) - Ein Blitzeinschlag hat die Stromversorgung des abgeschalteten Atomkraftwerks Krümmel lahmgelegt und dessen Not-Energiesysteme aktiviert. Das teilte das schleswig-holsteinische Energiewendeministerium am Mittwoch in Kiel mit. Demnach starteten während des Vorfalls am frühen Dienstagabend "anforderungsgemäß" fünf Notstromdiesel und belieferten das Kraftwerk für etwa dreieinhalb Stunden mit Energie, bis die reguläre Spannungsversorgung der Anlage wieder hergestellt war.

Strompuffer vorhanden

Störungen im Reaktor gab es nach Angaben des für die Atomaufsicht zuständigen Ministeriums nicht. Demnach ist in derartigen Fällen außerdem nur der Betrieb von zwei Notstromdieseln als Mindestreserve vorgesehen. Es habe daher noch weitere Puffer gegeben. Zusätzlich hätte auch noch die Möglichkeit bestanden, den Reaktor aus einem nahen Pumpspeicherwerk mit Energie zu versorgen.

Blitz schlug in Stromnetz ein

Der Blitz schlug laut Ministerium nicht direkt in das Kraftwerk ein. Er traf das Stromnetz in der Umgebung des Reaktors. Trotz des Ausbleibens von Problemen beauftragte das Ministerium nach eigenen Angaben Sachverständige mit einer genaueren Untersuchung.

Strom zur Kühlung

Krümmel ist 2011 als eines der ersten deutschen Akw abgeschaltet worden. Reaktoren brauchen aber auch nach dem Ende des sogenannten Leistungsbetriebs noch viele Jahre Strom - vor allem für die Wasserpumpen, die die Brennelemente in Reaktor oder Lagerbecken abkühlen.

Wegen der immensen Bedeutung der Kühlsysteme zählt ein Stromausfall nach Einschätzung von Atomkraftkritikern zu den gefährlichsten Störfällen, die in einem Reaktor auftreten können. Das Unglück im japanischen Fukushima wurde durch einen Zusammenbruch der Stromversorgung ausgelöst. Dort waren auch die Notstromaggregate durch ein Erdbeben und einen Tsunami zerstört worden. Durch die ausbleibende Kühlung kam es zu einer Kernschmelze.

Ein problematisches Kraftwerk

Atomkraftwerke versorgen sich nicht selbst mit Strom. Ihren Eigenbedarf decken sie aus dem normalen Netz. Für den Fall einer Unterbrechung der Stromversorgung sind sie mit mehrstufige Notfallsystemen ausgerüstet.

Krümmel liegt 30 Kilometer südöstlich von Hamburg. Das Kraftwerk gehört je zur Hälfte den Energiekonzernen Vattenfall und Eon. Vattenfall ist für den Betrieb verantwortlich. Krümmel galt als Pannenmeiler und stand schon vor der Abschaltung jahrelang still. 2007 und 2009 hatten Probleme mit den Transformatoren für Störfälle gesorgt.

Quelle: AFP