Erdbebenschäden

Bislang insgesamt 2000 Schadensmeldungen im Saarland

Vier Tage nach dem schweren bergbaubedingten Erdbeben im Saarland wird das Ausmaß der Schäden immer deutlicher. Insgesamt gingen bis Mittwoch rund 2000 Schadensmeldungen ein. Experten schließen weitere bergbaubedingte Schäden nicht für aus.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Nalbach/Saarbrücken (ddp/sm) - In der Stadt Nalbach musste am Mittwoch das Rathaus evakuiert werden, weil Gutachtern zufolge die Standsicherheit des Gebäudes nicht mehr gewährleistet ist. Insbesondere ein mögliches Nachbeben könnte "verhängnisvolle Folgen" haben, sagte der Nalbacher Bürgermeister Patrik Lauer (SPD). Etwa 2000 Schadensmeldungen aus der ganzen Region um Nalbach und Saarwellingen gingen bislang ein.

Davon seien etwa 1500 plausibel, sagte der Sprecher der RAG Deutsche Steinkohle AG, Karlheinz Pohmer. Allerdings hätten diverse Bürger Schäden bei mehreren Stellen gleichzeitig, etwa Polizei, Stadtverwaltung und RAG, angezeigt. Die Gesamtzahl müsse daher noch um diese Mehrfachnennungen bereinigt werden.

In Nalbach schätzt der Bürgermeister die Kosten für die nun notwendigen Sicherungsmaßnahmen, um das Rathaus wieder nutzen zu können, auf 30.000 bis 50.000 Euro. Das aus dem Jahr 1900 stammende Gebäude sei schon vor dem Beben "nicht im allerbesten Zustand" gewesen, sagte Lauer. Durch das Beben vom Samstag seien dann alte Risse wieder aufgebrochen.

Sieben Millionen Euro für Erdbebenschäden

Die RAG registrierte Pohmer zufolge in diesem Jahr insgesamt bereits 35 Erderschütterungen mit einer Schwinggeschwindigkeit von mehr als einem Millimeter pro Sekunde. Im Jahr 2007 wurden insgesamt 53 Beben gezählt, davon waren 20 schadensrelevant. Der RAG seien dadurch Kosten für die Schadensregulierung in Höhe von insgesamt rund sieben Millionen Euro entstanden. Das entspreche einem Betrag von rund zwei Euro pro geförderter Tonne Kohle.

Dass es im Saarland zu weiteren bergbaubedingten Beben kommt, lässt sich Experten zufolge nicht ausschließen. Auch in den nächsten Jahren könnte es noch zu Erderschütterungen kommen, selbst wenn der Bergbau jetzt komplett eingestellt würde, sagte der Direktor des Instituts für Markscheidewesen, Bergschadenkunde und Geophysik im Bergbau der RWTH Aachen, Axel Preuße. "Diese Einstürze wird man kaum verhindern können", sagte Preuße.

Müller hält an Abbaustopp fest

Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU) bekräftigte derweil seine Einschätzung, dass mit dem Beben vom Wochenende der Bergbau im Saarland beendet sei. "Klar ist: Ein Bergbau, der Menschen in Gefahr bringt, ist nicht verantwortbar", sagte Müller. Auf die Frage, wie er zu dem möglichen Wunsch der RAG Deutsche Steinkohle AG stehe, den Betrieb weiterzuführen, sagte Müller: "Eine Wiederaufnahme des Bergbaus müsste von der Landesregierung zugelassen werden."