Zwangsbeimischung

Biosprit kostet Autofahrer rund 80 Euro im Jahr

Nach dem Strom müssen die deutschen Verbraucher nun auch bei Benzin und Diesel immer höhere Preise für gesetzlich erzwungene Öko-Anteile bezahlen. Der höhere Anteil von Biokraftstoffen kostet den Autofahrer inzwischen bis zu 3 Cent pro Liter Sprit. Der Öko-Kraftstoff ist nach wie vor hoch umstritten.

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Hamburg/Berlin (dapd/red) - Bei einer normalen Tankfüllung von 50 Litern zahlt der Konsument damit 1,50 Euro für den Klimaschutz. Wer einmal pro Woche tankt, kommt im Jahr auf fast 80 Euro zusätzlicher Belastung für den Klimaschutz. "Statt zu einer Dämpfung der Preise haben die Biokraftstoffe zu einem Preisanstieg geführt", erklärte der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) am Montag in Berlin. Eine Sprecherin bezifferte die Zusatzkosten wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Beimischung von Biosprit beim Benzin auf 3 Cent pro Liter, beim Diesel auf 2 Cent. "Das Beispiel Biodiesel zeigt, dass seit Beginn der Zwangsbeimischung der Biodieselpreis permanent und signifikant über dem Preis für reinen Diesel lag", sagte Verbandschef Klaus Picard.

Schon jetzt enthält Benzin bis zu fünf Volumenprozent Bioethanol (E 5) aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Bundesregierung verpflichtete die Mineralölindustrie, den Bioanteil auf maximal zehn Prozent zu erhöhen. Mit dem Bioanteil soll die klimaschädliche CO2-Belastung des Autoverkehrs verringert werden. Die Ölkonzerne bereiten derzeit die Einführung der neuen Spritsorte vor. Das Bioethanol wird aus Pflanzen hergestellt, zum Beispiel Weizen, Zuckerrohr oder Zuckerrüben. Kritiker des Biosprits weisen schon lange darauf hin, dass der hohe Verbrauch des Öko-Kraftstoffs Nahrungsmittel teurer machen könnte. Laut MWV stieg der Preis für Weizen seit Januar 2010 dreimal so schnell wie der Preis von Rohöl.

Zuletzt hatte der steigende Strompreis die Verbraucher immer mehr belastet. Die Energieversorger begründeten den Anstieg unter anderem mit den hohen Ausgaben für Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind oder Sonne. Gesetzliche Regelungen sehen vor, dass die Stromkonzerne etwa Solarstrom zu Preisen weit über dem Marktpreis abnehmen müssen. Diese Zusatzkosten werden auf die Endkunden umgelegt. Die Bundesregierung will die immer höhere Belastung der Stromkunden wegen Öko-Strom nun begrenzen.

Beim Auto stoppt laut MWV die Technik den Griff in die Tasche der Fahrer: "Aus motortechnischen Gründen" darf nicht mehr als sieben Prozent Biodiesel in den Diesel und zehn Prozent Ethanol in das Benzin gemischt werden, wie Verbandschef Picard erklärte. Schon jetzt vertragen zehn Prozent der deutschen Benziner das neue E 10 nicht, weil es den Motor anfrisst.