Fiasko

Biosprit gefloppt: Die Einführung wird ausgesetzt

Die vorläufig gestoppte Einführung des Bio-Sprits E10 ist nach Auffassung von Bauernpräsident Gerd Sonnleitner ein Fiasko für die Benzinbranche. Am Donnerstag hatte die Mineralölbranche bekannt gegeben, die weitere Einführung von Super E10 zunächst auszusetzen, weil kaum jemand es tankt.

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Berlin/Osnabrück (afp/dapd/red) - Die Mineralöl-Branche in Deutschland fährt die Produktion der neuen Biosprit Sorte E10 zurück. Aufgrund massiver Absatzprobleme werde die Raffinerieproduktion an die Nachfrage angepasst, teilte der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) am Donnerstag in Berlin mit. Die Branche reagierte damit auf die starke Kaufzurückhaltung der Autofahrer.

Kein kompletter Rückzug

Am Donnerstagmittag hatten zunächst Meldungen für Verunsicherung gesorgt, wonach die Mineralöl-Betriebe die Lieferung mit E10 komplett stoppen wollten. Dem widersprach der MWV wenig später. "Die Einführung von Super E10 läuft entsprechend der politischen Vorgaben weiter", stellte der Verband klar. Dass die Raffinerien ihre Produktion reduzierten, bedeutete keinen Rückzug der Mineralölindustrie von der Super-E10-Einführung, sondern eine Anpassung der Produktion an die Nachfrage der Endkunden.

Von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) handelte sich der MWV trotz des Zurückruderns eine Rüge ein. "Das Durcheinander, das die Mineralölwirtschaft hier veranstaltet, ist nicht akzeptabel. Es führt zu einer vollständigen Verunsicherung der Verbraucher", erklärte Röttgen. "Die Mineralölindustrie sollte sich endlich eine vernünftige Strategie überlegen, statt jeden Tag widersprüchliche und verwirrende Botschaften auszusenden", kritisierte der Minister.

Seit Februar bieten erste Tankstellen in Deutschland den neuen Biosprit an. Er enthält zehn Prozent Bioethanol, doppelt so viel wie das herkömmliche Superbenzin. Damit wollen die Tankstellen eine gesetzlich vorgeschriebene Biokraftstoff-Quote erfüllen. Sie bieten in der Regel E10 zum Preis des herkömmlichen Superbenzins an. Sprit mit niedrigerem Ethanol-Gehalt können Autofahrer nur noch in Form von teurem Super Plus tanken.

Obwohl der Preis für den Liter Super Plus laut ADAC in der vergangenen Woche im Schnitt acht Cent über dem Preis von E10 lag, verweigern sich die meisten Autofahrer bisher dem neuen Benzin. 70 Prozent der Halter weichen demnach lieber auf das teure Super Plus aus. Dies führt laut MWV auf der einen Seite zu Lieferengpässen bei Super Plus; auf der anderen Seite seien die Tanks voll mit E10-Kraftstoff, der nicht abgesetzt werden kann.

Reaktionen: Branche sei sebst schuld

Der ADAC warf der Mineralöl-Branche vor, selbst die Schuld an der Verweigerungshaltung der Verbraucher zu tragen. Die Branche habe nicht gut genug über den neuen Kraftstoff aufgeklärt, sagte ein ADAC-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. "Es hat sich gezeigt, dass eine zu große Verwirrung und eine zu geringe Akzeptanz bestehen", sagte er. Der MWV kündigte unterdessen an, gemeinsam mit Politik, Autoindustrie und Automobilclubs die Verbraucher nun intensiv zu informieren.

Auch Bauernpräsident Gerd Sonnleitner sieht als Grund für das E10-Chaos die mangelhafte Aufklärung durch die Mineralölwirtschaft. Das sagte Sonnleitner der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitagsausgabe) laut Vorabbericht. Die Ankündigung der Branche, drohende Strafzahlungen an die Kunden an der Zapfsäule weiterzureichen, sei ein völlig unnötiges Machtgeplänkel. Die Mineralölwirtschaft solle lieber über die Qualität des Biosprits E10 mit einem Anteil von zehn Prozent Bioethanol am Benzin aufklären, statt die Muskeln spielen zu lassen.

Sonnleitner sagte, die Angst der Autofahrer vor E10 sei unbegründet. Der Bauernpräsident forderte, sofort E10-Verträglichkeitslisten an allen Tankstellen auszulegen. So werde klar, dass der Kraftstoff für die meisten Automodelle geeignet sei.

Der Vorsitzende des Umweltverbandes BUND, Hubert Weiger, begrüßte diesen Schritt. "Mit dem Anbau von Energiepflanzen versucht man, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, statt Klimaschutz zu praktizieren", sagte er dem Blatt. Der Automobilbranche müssten klare Vorgaben gemacht werden, den Treibstoffverbrauch bei Neuzulassungen drastisch zu reduzieren.